Savoy Grand betören mit langsamem Indie-Rock

Tiefe Traurigkeit

Schnell kann jeder, aber langsame Musik zu machen, ist schwieriger. Da dem Hörer mehr Zeit bleibt, genau hinzuhören, weil die einzelnen Noten mehr Platz zur Entfaltung haben, fällt unzureichendes Songwriting eben leichter auf. Die Musiker des englischen Indie-Quartetts Savoy Grand sind Perfektionisten, die sich um die Platzierung jeder einzelnen Note sowie deren Klang im Raum reichlich Gedanken machen. Deshalb liegen kleine Ewigkeiten zwischen ihren Veröffentlichungen, zwischen „People And What They Are“ und ihrem neuen Album „Accident Book“ vier Jahre. Ihre Arbeit braucht Zeit.

Als Extremperfektionist gilt auch Mark Hollies, Kopf der Popband Talk Talk, deren zeitlupenhaft dahinschwebendes Spätwerk „Spirit Of Eden“ (1988) als eines der Jahrhundertalben gilt. Savoy Grand hätten sich wirklich von einem schlechteren Album inspirieren lassen können.

Auf „Accident Book“ scheinen die Gesetze der Zeit außer Kraft gesetzt, was natürlich Unsinn ist, doch bringt einen die Stille auf solche Ideen. Die Lieder sind wie gemalte Melodien impressionistischer Meister. Vieles hier ist tief dahinschwebende Traurigkeit wie bei „Spirit Of Eden“. Das Schlagzeug wird mit dem Besen verwöhnt, die E-Gitarre gestreichelt, bis sich vorsichtig die Akkorde zeigen. Für zarte Dauer sorgt die Orgel. Dazu gesellen sich sporadisch Violine, Vibrafone, ein Double Bass und Klarinette.

Zu monieren gibt es nicht viel, und doch etwas Entscheidendes - die Stimme von Graham Langley. Sie ist zu dünn, ein flatterndes Stimmchen, bei Weitem nicht charismatisch genug. Mal klingt sie verzärtelt kitschig, dann heulsusig ohne Anlass. Sie ist dem Rest der ausdrucksstarken und doch sehr diskreten Platte nicht gewachsen. Das ist mehr als nur ein bisschen schade.

Savoy Grand: Accident Book (Glitterhouse / Indigo). Wertung: !!!!:

Von Michael Saager

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