Auf zu neuen Ufern

Silly: Umjubelter Auftritt im Borkener Freilichtmuseum 

+
Sie gab Silly neuen Schwung: Schauspielerin Anna Loos ist seit 2006 Sängerin der ehemaligen Ost-Band.

Borken. Der Auftritt von Silly passte perfekt in das Ambiente des Bergbau-Freilichtmuseums in Borken. Umgeben von Dampfloks, Förderbändern und Schienensträngen ragten die Alutrassen der Bühne in den Abendhimmel und vermittelten den 900 Besuchern am Freitagabend ein Gefühl von Exklusivität und Nostalgie.

Bergbau steht für harte, ehrliche Arbeit und Respekt. Aber auch für Risiko, Krankheit und nicht erfüllte Hoffnungen. Alles Aspekte, mit denen sich die Musiker aus der ehemaligen DDR im Laufe ihrer 33-jährigen Bandgeschichte immer wieder auseinandersetzen mussten. Der frühe Tod ihrer charismatischen Leadsängerin Tamara Danz, Deckelungen der Kreativität unter Staatsaufsicht, Perspektivlosigkeit nach der Wende - ein Hoch und Runter in den Schächten des Lebens, das nicht immer die maximale Fördermenge an Akzeptanz und Qualität zu Tage brachte.

Seit 2006 arbeitet Schauspielerin und Sängerin Anna Loos mit an den musikalischen Tiefbohrungen durch die emotionalen Gesteinsschichten der Seele und brachte neuen Schwung in die Silly-Gemeinde. In Borken präsentierte man das Songmaterial der aktuellen CD „Alles rot“ und die alten Ostkracher wie „Bataillon d‘amour“, „Mont Klamott“ und „SOS“. Dass man immer noch ein wenig an dem Image einer Ostrock-Band zu knabbern hat, blitzte kurz in der Begrüßung von Anna Loos auf. „Hallo Borken. So weit weg von der Heimat und doch so viel Publikum.“

Mit Wehmut

Die letzten Partikel des geteilten Deutschlands muss diese Generation noch ein - und ausatmen, dann wird das Thema in den Geschichtsbüchern endgültig begraben sein. So schwingt immer noch authentische Wehmut und Melancholie durch die meisten Kompositionen. Die härteren Songs wirken ein wenig pragmatisch und verstaubt.

Wenn man auch den Anschluss an den Status Quo deutschsprachiger Popmusik geschafft hat, gefielen die chansonlastigen Titel („Warum ich“, „Findelkinder“, „Flieger“) am meisten. Mit ihnen könnten Keyboarder Ritchie Barton, Bassist Jäcki Rezniceck, Gitarrist Uwe Hassbecker und Anna Loos irgendwann mal die Ära Silly mit viel Pathos, aber schlichter Eleganz zu Grabe tragen. Doch bis dahin scheint noch viel Zeit, denn mit dem 14-jährigem Leo wirbelte bei der Zugabe ein Schüler des Bandschlagzeugers Ronny Dehn über die Toms. Der Titelsong „Alles rot“ und „Wo bist du“ versprechen eine hohe Halbwertszeit. Viel Applaus.

Von Andreas Köthe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.