Rüdiger Canalis Wandel inszeniert „Die Bremer Stadtmusikanten“ als Grimm-Musical im Park Schönfeld

Tiere haben sturmfreie Bude

Theatererlebnis im Freien: Regieassistent Claudius Freyer (links) und Regisseur Rüdiger Canalis Wandel auf der Seebühne im Park Schönfeld. Foto: Fraschke

Kassel. „Hier ist alles handgemacht“, sagt Regisseur Rüdiger Canalis Wandel begeistert. Er inszeniert das Musical, das auf der Seebühne im Park Schönfeld der Höhepunkt des diesjährigen Brüder-Grimm-Festivals sein soll. Premiere für „Die Bremer Stadtmusikanten“ ist am Donnerstag, 23. Juli, gespielt wird bis 30. August.

Den 62-jährigen Vater dreier Söhne, der in Göttingen geboren wurde und seit 35 Jahren in Berlin lebt, kennen „Tatort“-Fans noch als Günter Gächter, den er 16 Jahre spielte. Gächter war der Kollege des ehemaligen Stuttgarter Kommissars Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck). Als Kind kam er häufiger nach Kassel, erinnert Wandel sich. „Meine Mutter stattete uns gern bei Brenninkmeyer und Bilka neu aus, mein Vater und ich machten dann schon mal Pause bei einer Semmel mit Schinkenwurst, während Mutter und Schwester noch einkauften.“

Jetzt inszeniert Wandel zum zweiten Mal in Kassel, nach Christoph Steinaus Weltraum-Komödie „Rhapsody in Space 2“ im Tic nun unter freiem Himmel. „Die Bremer Stadtmusikanten“, geschrieben von Tic-Chef Michael Fajgel, erzählt von einem Bauernhof, den die Bauern verlassen, weil er wirtschaftlich nichts abwirft – und weil die Tiere so faul sind. Die Tiere bleiben zurück. „Das ist ein bisschen, wie wenn Jugendliche sturmfreie Bude haben“, so der Regisseur, „erst ist alles toll, aber dann ist der Kühlschrank auf einmal leer.“ So haben Ganoven leichtes Spiel, die den Tieren – alle vier träumen von der großen Gesangskarriere – das Blaue vom Himmel versprechen. Ausgerechnet in Bremen.

Wandel schätzt die Arbeit mit den Musicaldarstellern, mit denen er es hier zu tun hat, „die sind disziplinierter und besser vorbereitet als Schauspieler“, sagt er. „Aber ich fordere ihnen nun das Schauspielerische ab.“

Ihm gefällt, dass die gesungenen Texte witzig und treffsicher ins Deutsche übersetzt sind. Wandel will inszenatorisch „nicht so einen Kindertheater-Realismus“ zeigen. „Bei mir haben die Tiere keine Schnäuzchen und Pfötchen.“ Ihm sei bewusst, dass diese Art von Sommertheater für viele Kinder die erste Berührung mit dem Theater überhaupt ist: „Das ist sehr wichtig, und da müssen wir zeigen, dass man hier etwas erleben kann, das nicht mit TV und Film vergleichbar ist.“

Bis zur Eröffnung der Grimmwelt am 4. September veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge zu den Brüdern Grimm.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.