Tierisch gut: Die Ausstellung „Zoozoozoo“ im Kasseler Kunstverein

Mäh: Arbeiten von Ed Panar (links) und Oliver van den Berg, der aus Fichtenholz Stoßzähne hergestellt hat. Fotos: Koch

Was wäre, wenn sich Tiere über unser Handeln Gedanken machen würden? Die sehenswerte Ausstellung „Zoozoozoo“ im Kasseler Kunstverein untersucht das Verhältnis von Mensch und Tier.

Kassel. Wer die Fotografien von Ed Panar betrachtet, fühlt sich mitunter beobachtet. Ein Hund schaut neugierig über den Zaun, ein Waschbär wirkt erschrocken, und eine ganze Schafherde blickt den Fotografen ungläubig an. „Animals that saw me“ heißt die originelle Bilderserie des Amerikaners, die gängige Vorstellungen auf den Kopf stellen. Denn hier scheinen nicht die Tiere, sondern der Mensch im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen.

Die Ausstellung „Zoozoozoo“ im Kasseler Kunstverein untersucht das Verhältnis von Mensch und Tier. Sie hinterfragt, welche Position der Mensch in der Natur einnimmt. „Was wäre, wenn sich Tiere Gedanken über unser Handeln machen könnten? Diese Frage fanden wir spannend“, sagt Joel Baumann, der die Schau mit Andrea Schulze-Wilmert kuratiert hat.

Eine raumfüllende Arbeit präsentiert Oliver van den Berg (Berlin). Auf dem Boden hat er zahlreiche Stoßzähne aneinandergereiht - erstaunliche Nachbildungen aus Fichtenholz, die an Schmuggelware erinnern. Die Vorlage umzusetzen, sie jedoch durch gegensätzliche Materialien und Form-Varianten zu verfremden, sei für ihn besonders reizvoll, erklärt der Künstler.

Deutlich wird das auch bei seinem „Fletschenbaum“: Dessen natürlich wirkende Äste bestehen tatsächlich aus Aluminium, dazwischen hat van den Berg Teile von Gummi-Zwillen befestigt. Ast-Gabeln werden so zu Geschossen.

Historische Fotos dienten Ulrich Gebert (Leipzig) als Vorlage für seine Serie „Dr. Kobers Sorge um die Zuchtwahl“. Die Schwarz-Weiß-Bilder zeigen Hunde der Rasse Puli - Tiere, die bekannt für ihre üppige Haarpracht sind. Gebert thematisiert in seiner Arbeit den Eingriff des Menschen in die Natur. Und auch die leeren Käfige, in denen der Künstler Miniatur-Zoolandschaften nachgebildet hat, lösen ein beklemmendes Gefühl aus. Wie wirkt sich Gefangenschaft auf Affen, Eisbären und Co. aus?

Und dennoch: Mensch und Tier haben einiges gemeinsam. Das zumindest zeigt die Videoinstallation des spanischen Medienkünstlers Manuel Saiz. Auf zwei Monitoren werden Menschen und Tiere gegenüber gestellt. Ein Erdmännchen dreht ruckartig den Kopf, ein Junge tut es ihm gleich. Ein Steinbock mit starrem Blick, daneben eine Frau mit derselben eintönigen Mimik. Wer ahmt hier wen nach? Eine faszinierende Arbeit.

Bis 16. Oktober im Kasseler Kunstverein im Fridericianum am Friedrichsplatz. Mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, zur Museumsnacht am Samstag, 3. September, von 11 bis 1 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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