Tierisch gut: Gabby Young & Other Animals im Kasseler Kulturzelt

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Gabby Young

Kassel. Einen Tag bevor Gabby Young das Kasseler Kulturzelt eröffnete, sagte sie einen lustigen Satz. Es war während des Konzerts beim Karlsruher Zeltival, wo es mächtig heiß war. Als die Britin so richtig schwitzte, sagte sie auf Deutsch: „Ich bin heiß.“

Da lachte das Badener Publikum und erklärte Young das Missverständnis.

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Die Sängerin erzählte die Geschichte am Freitag, als sie auf der Bühne des temporären Baus an der Fulda ebenfalls ins Schwitzen gekommen war. Ganz falsch war der Satz trotz der doppelten Bedeutung nicht. Denn musikalisch hätte es kaum einen heißeren Act zum Start in die 25. Kulturzelt-Saison geben können. Selten hat man das Publikum im mit 750 Gästen voll besetzten Kulturzelt bei einem Eröffnungskonzert so begeistert gesehen wie nach diesen 70 Minuten voller Energie.

Youngs Musik ist so vielfältig wie ihr Outfit, das aus mit allerhand Nippes geschmückten Haaren bestand und einem pinken Minikleid, welches wie Krepppapier aussah. Zirkus-Swing haben Kritiker ihren Stil bezeichnet, was es ganz gut trifft. Mit ihrer siebenköpfigen Band Other Animals mischt sie Pop-Melodien mit Folk, Jazz und Balkanrhythmen. Zwischendurch gibt es einen Ragtime.

Und selbst wenn Young mal allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne steht, ist das immer ganz großes Theater, weil ihre klassisch geschulte Stimme zwischen den Extremen pendelt.

Mit zwölf war Young das jüngste Mitglied der National Youth Opera in Großbritannien. Als sie 22 war, erkrankte sie an Schilddrüsenkrebs. Sie hat die Krankheit überlebt. Es ist ein Wunder, dass sie wieder singen kann - und dass sie auf der Bühne so ist, wie sie ist. Ein melancholischer Song heißt „Too Young To Die“, und auch sonst strahlt die 27-Jährige pure Lebensfreude aus.

Aber sie weiß, dass das Leben nicht nur schön ist. „Um einen schönen Regenbogen zu haben, brauchst du Regen“, sagt sie, bevor sie mit ihrem Freund, dem Gitarristen Stephen Ellis, ein anrührendes Duett über eine vergangene Liebe singt, an deren Ende sie sich wünschte, wie ein Maulwurf unter der Erde zu liegen. Ellis klettert einmal am Bühnenpfeiler hoch in die Luft, und Tubist Paul Whalley fotografiert das Publikum.

Auch für Young und ihre Animal-Musiker war es wohl ein cooler Abend, an dessen Ende die Katzen den Ton angeben. Zu ihrer Version von „Everybody Wants To Be A Cat“ aus dem Disney-Film „Aristocats” lässt sie das Publikum miauen. Es wäre auch ein lustiger Satz gewesen, wenn Young danach gesagt hätte: „Danke, Muschis.”

Von Matthias Lohr

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