Schnapsidee wird Kult

Das neue Album des Mundart-Rockers Dark Vatter

Kassel. Über das neue Album des Kasseler Mundart-Rockers Dark Vatter könnte man sagen: Es schmegged.

„Hunnerdprozenndich“ ist nämlich nicht nur eine CD, es gibt auch einen passenden Schnaps dazu. Im Lädchen der Grimm-Heimat Nordhessen an der Treppenstraße kann man „Dark Vatters Mondschein-Schnaps“ kaufen.

Dem Kasseler Musiker Timo Israng, der sich hinter Dark Vatter verbirgt, ist damit erneut eine hübsche Pointe gelungen, die mehr als ein reiner Marketing-Gag ist. Denn der Titelsong handelt von einer illegalen Schnapsbrennerei im Habichtswald und einem „Großmull“ aus Berlin, den die Nordhessen unter den Tisch trinken. „Nach einem einzjen Glas laach der Kerle schon im Gras“, heißt es am Ende.

Auf Dark Vatter un sinne Combo, wie die fünfköpfige Band heißt, kann Israng fröhlich anstoßen. Als der Schlagzeuger der Kasseler Beat-Band Montesas vor drei Jahren auf die Idee kam, Rockabilly auf Kasselänerisch zu machen, war das zunächst nicht mehr als eine Schnapsidee.

Lesen Sie auch die Konzertkritik zu Dark Vatter.

Durch die beiden ersten Alben „Kasseläner Boogie“ und „Unnerwäjens“ ist Dark Vatter jedoch Kult geworden. Das merkte Israng spätestens 2013 beim Kasseler Hessentag, als er auf dem Opernplatz spielte und die Zuhörer sich bis hinter die Straßenbahngleise drängten – Jung und Alt. „Zu den Konzerten kommen Leute von 8 bis 80“, sagt der 39-Jährige.

Anders als das Klischee es vermuten lässt, seien die Nordhessen „begeisterungsfähig und äußerst tanzfreudig“. Und sie entdecken ihren lange verpönten Dialekt wieder. In dem singt der Vatter auf „Hunnerdprozendich“ wieder schräge Geschichten wie die vom Kurt, der in ein Mädchen aus „Elgerschhusen“ verknallt war und seinen Rivalen Schorsche im „Firnsbachdale“ erschießt.

Musikalisch ist das erneut eine stilvolle Mischung aus Country-Melodien und Rock’n’Roll. Israngs Frau Nina singt zudem einen groovenden Blues. Aufgenommen wurden die zwölf Tracks in Israngs Keller in Süsterfeld, den er die „Herrensalong Studios“ nennt.

Der Wortwitz und die Geschichten werden Dark Vatter so schnell nicht ausgehen. Zuletzt erzählte ihm ein Besucher nach einem Konzert, wie sich einst zwei Männer im Savoy duelliert hätten. Vielleicht wird Israng auch daraus einen Song machen: „High Noon in Elgershausen“.

Dark Vatter un sinne Combo: Hunnerdprozenndich.

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

Timo Israng alias Dark Vatter

Ausbildung: zum Koch im Kasseler Restaurant „Pfeffermühle“, Studium der E-Gitarre am Münchner Gitarreninstitut Karriere: Schlagzeuger bei der Beat-Band Montesas, ehe er 2011 Dark Vatter erfand.

Die Band: (hinten von links) Oliver Schenk alias Kusseng Olli (Bass), Julian Schambach alias Kusseng Judy (Gitarre), Timo Färber alias Kusseng T. (Schlagzeug) sowie (vorn von links) Nina Israng alias Nina Soleil (Gesang) und Timo Israng alias Dark Vatter (Gitarre und Gesang)

Beruf: Musiklehrer im Klangwerk (0561-7399943), wo er einst auch Clemens Rehbein (Milky Chance) unterrichtete. Privates: Der 39-Jährige lebt mit Frau Nina und zwei Töchtern in Süsterfeld. Foto:  Holzschuh

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