Tiramisu statt Couscous: Die Kino-Komödie „Fasten auf Italienisch“ mit „Sch’tis“-Star Kad Merad

Wie kann man dem Tiramisu widerstehen? Dino (Kad Merad) hat gegenüber Hélène (Valérie Benguigui) seine Not, das Fastengebot des Ramadan nicht wegen des Nachtischs zu brechen. Foto: Arsenal

Wenn er morgens den Siegelring ansteckt, in den cremeweißen Anzug schlüpft und mit dem Firmenwagen durch Nizzas Gassen brettert, ist Dino Fabrizzi in seinem Element. Der coole Italiener ist Starverkäufer im Maserati-Autohaus, mit seinem „Ciao“ hier und „Prego“ da verkaufen sich die Nobelschlitten prächtig. Der Chef überlegt sogar, seinem besten Mann die Filialleitung zu übertragen. Und Freundin Hélène (Valérie Benguigui) gefällt der rassige Typ, Italiener wissen bekanntlich, was Ragazzi heiß macht.

Allein, wenn Dino am Wochenende vermeintlich nach Rom zur Familie fliegt, endet seine Fahrt stets in Marseille. Und Dino Fabrizzi wandelt sich in Sekunden zu Mourad Ben Saoud, der mit der Familie Couscous verdrückt. Die Eltern stammen aus Algerien und ahnen nichts von seinem Versteckspiel.

Doch als sein Vater schwer erkrankt und Mourad deshalb bittet, für ihn den Ramadan zu begehen, gerät das Jonglieren mit den Identitäten außer Kontrolle.

Kad Merad, Frankreichs Star aus dem „Sch’tis“-Erfolgsfilm, schlüpft in der Multikulti-Komödie „Fasten auf Italienisch“ in die Rolle des französischen Algeriers, der zum Italiener wird. Merad selbst heißt eigentlich Kaddour, hat seinen Namen aber verändert, weil Kad cooler klingt. Zugleich wird er gern als Bilderbuchfranzose engagiert: In den „Sch’tis“ als spießiger Postbeamte und in „Der kleine Nick“ als typischer Kleinbürger.

Mit seinem langjährigen Weggefährten, Regisseur Olivier Baroux, ist Merad nun von Erfahrungen arabischer Migranten ausgegangen, die (und das nicht nur in Frankreich) Schwierigkeiten haben, an Jobs und Wohnungen zu kommen.

Wie die beiden die Themen alltägliche Diskriminierung und Klarkommen mit der eigenen Identität in einem nicht dafür aufgeschlossenen gesellschaftlichen Umfeld aufbereiten, ist zugleich sehr witzig und hintergründig. Auch wenn die Komödie manchmal etwas schneller auf den Punkt kommen könnte und nicht frei von Klischees ist.

Nachdem Baroux seine Hauptfigur in den Erfolgshimmel hochgejubelt hat, lässt er uns genüsslich dabei zuschauen, wie ihm Stück für Stück seine Souveränität abhanden-kommt. Dino/Mourad kauft sich das Buch „Islam für Dummies“, lernt die rituellen Waschungen, die Gebete, die Regeln des Ramadan. Und dann hat er im Büro zu erklären, warum er zu Geschäftsterminen vor Sonnenaufgang einlädt und beim Firmen-Fußball in der Hitze zusammenklappt.

Und bei den Eltern seiner Freundin muss er mit dem Mut der Verzweiflung vermeiden, das angepriesene Tiramisu zu essen - er, der Italiener, dem die Gastgeber zu gern lauschen, wie er von Mamma und der römischen Kindheit schwärmt.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

wwww.hna.de/kino

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