Grandioser Opernauftakt in Frankfurt mit Schoecks „Penthesilea“

Der tödliche Pfeil

Tanja Ariane Baumgartner als Penthesilea. Foto: Rittershaus

FRANKURT. Tod und Leben, Liebe und Hass, Macht und Unterwerfung, Mann und Frau. In Othmar Schoecks 1927 in Dresden uraufgeführter Oper „Penthesilea“ nach Kleists Drama geht es um ganz Großes. Die Amazonenkönigin Penthesilea verliebt sich in den Griechenheros Achill, doch die Gesetze des mythischen Frauenvolkes verbieten den Kriegerinnen die Liebe, wenn sie den Mann nicht eigenhändig überwinden.

Achill siegt, gibt sich jedoch als Besiegter aus, denn auch ihn hat der Pfeil der Liebe betroffen. Ja, er fordert sie zu einem zweiten Kampf heraus, in dem er sich zum Schein geschlagen geben will. Doch die Amazone versteht die Finte nicht, wird zur Furie. Ihr Pfeil trifft Achill tödlich, und ihre Hunde zerfleischen den Helden. Penthesilea bleibt nur der Tod durch den eigenen Dolch.

Die Oper Frankfurt hatte sich Schoecks 90-Minuten-Einakter, der in letzter Zeit häufiger auf den Bühnen zu sehen war, als erste Saisonpremiere gewählt. Umjubelter Regisseur war Altmeister Hans Neuenfels, der seine Basler Inszenierung aus dem Jahr 2007 für Frankfurt anpasste. Das Kammerspiel in sparsamem Bühnenbild fesselte vom ersten bis zum letzten Ton. Grelle Effekte oder gar blutige Überrumpelung braucht Neuenfels dafür nicht. Er vertraut auf einfache Bilder und Konstellationen.

Für seine Musik hat Schoeck ein dunkel abgetöntes Orchester modelliert, das rhythmisch streng, oft auch martialisch klingt, aber auch in der nachträglich komponierten Liebesszene zu bewegenden Wohlklängen findet. Ungeheuer verdichtet ist diese Partitur, darin der „Elektra“ von Richard Strauss ähnlich.

Alexander Liebreich führte das Frankfurter Opern- und Museumsorchester souverän und verhinderte, dass die Sänger überdeckt werden. Zu einem Triumph wurde der Abend für Tanja Ariane Baumgartner in der Titelrolle. Schier unglaublich, mit welcher vokalen Strahlkraft und Schattierungsvielfalt sie sang. Auch ihre schauspielerische Leistung war meilenweit über dem, was man auf einer Opernbühne erwarten darf.

Die Schlussszene, in der die entthronte, im Sieg besiegte Amazonenkönigin die zerstückelten, in Koffer verpackten Teile Achills auf einem Rollstuhl hineinschiebt, wird als großer Opernmoment in Erinnerung bleiben. Simon Neal sang den Achill mit rauem, weit ausgreifendem Bariton. Auch die übrigen Rollen waren exquisit besetzt, sodass einem Opernabend der obersten Kategorie nichts im Wege stand.

Weitere Termine: 15., 17., 23.9., www.oper-frankfurt.de

Von Johannes Mundry

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