Tönendes Mahnmal: „War Requiem“ in Kassel lockte 600 Zuhörer 

Riesiger Klangapparat: In der Martinskirche traten zwei Orchester, zwei Chöre und Solisten auf. Dirigent war Eckhard Manz. Foto: Malmus

Kassel. Ein emotionales Musikerlebnis mit einem Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts gab es am Samstag in der Kasseler Martinskirche: Kantor Eckhard Manz führte mit 200 Mitwirkenden Benjamin Brittens „War Requiem" auf.

Wie kaum ein anderes Musikstück ist das „War Requiem“ ein tönendes Mahnmal gegen den Krieg. Uraufgeführt wurde es 1962 in der neu errichteten Kathedrale von Coventry, in jener englischen Stadt also, die 1940 von der deutschen Luftwaffe zerstört worden war.

Antikriegsgedichte 

Britten eröffnet auf geniale Weise einen mehrdimensionalen musikalischen Raum. Drei Solisten werden zwei Orchestern und zwei Chören gegenübergestellt. Antikriegsgedichte von Wilfred Owen ergänzen den lateinischen Text der Totenmesse. So schildert eine beklemmende Vision, wie ein gefallener Soldat auf den Feind trifft, den er zuvor getötet hat.

„Let us sleep now“ - „Lass uns jetzt schlafen“ singen die beiden ehemaligen Feinde dann in einer zum Abheben schönen Musik. Bei der Uraufführung 1962 waren der englische Tenor Peter Pears und der deutsche Bariton Dietrich Fischer-Dieskau die Solisten - stärker konnte Versöhnung nicht versinnbildlicht werden.

Eine starke Wirkung entfaltete das „War Requiem“ auch in der Martinskirche, die in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 schwer getroffen worden war. Eckhard Manz leitete eine intensive Aufführung auf hohem Niveau und mit heftigsten Ausschlägen auf der dynamischen Skala.

Zu hören war ein riesiger Klangapparat: die Kantorei St. Martin, die Kantorei der Abdinghofkirche Paderborn, der auf der Empore aufgestellte Knabenchor Gütersloh (Leitung: Stephan Arnold) sowie als Instrumentalisten das Orchester St. Martin und Studierende der Detmolder Musikhochschule.

Ausgezeichnet klangen die reinen, schlackenlosen Solo-Stimmen der jungen schottischen Sopranistin Carine Tinney, des Baritons Thomas Laske und des manchmal akustisch etwas überdeckten Tenors Mark Adler. Die 600 Zuhörer in der Martinskirche, die noch renoviert wird, nahmen das starke Erlebnis mit minutenlangen Ovationen auf.

Von Georg Pepl

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