Die Kasseler Bank zeigt Illustrationen zu den Kinder- und Hausmärchen der Grimms

In Tokio gibt es acht Geißlein

Märchenstunde: Jacob und Wilhelm Grimm zu Gast bei Dorothea Viehmann - ein Stahlstich von Louis Katzenstein. Foto: De Filippo

Kassel. Dass es in der Kasseler Bank zurzeit ganz und gar märchenhaft zugeht, ist nicht zu übersehen. An der Geschäftsstelle am Ständeplatz prangt ein riesiges Plakat mit einem Apfel - jener Frucht, die Schneewittchen im Märchen zum Verhängnis wurde.

Bis Weihnachten sind in dem Kreditinstitut Illustrationen zu den Märchen der Brüder Grimm zu sehen. Anlass der Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Brüder-Grimm-Museum und der Brüder-Grimm-Gesellschaft entstanden ist, ist das erste handschriftliche Konvolut der Grimm’schen Märchen. Vor 200 Jahren stellte das Brüderpaar dem Dichter Clemens Brentano Materialien für eine von ihm geplante Märchenausgabe zur Verfügung. Erschienen ist diese nie. Sie ist aber bis heute als die „Oelenberger Märchenhandschrift“ erhalten.

Herzstück der Ausstellung sind Illustrationen, die im 19. Jahrhundert entstanden sind. Otto Speckter zeigt das Märchen Rapunzel in einzelnen Szenen, die er zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Erstaunlich sind die vielen Details - von der mittelalterlichen Architektur bis zu Pflanzen, die sich um das Bild ranken. Auch einige Lithografien aus dem Ausland sind zu sehen, darunter Skurriles wie eine japanische Variante von „Der Wolf und die sieben Geißlein“. In der Tokio-Ausgabe von 1887 sind es allerdings acht Geißlein, und der Wolf wirkt ganz und gar nicht grimmig.

Wunderbar sind die Illustrationen George Cruikshanks für eine englische Buchausgabe (1850). Aus Aschenputtel wird Cinderella, und die Handlung wird kurzerhand nach London verlegt.

Wer die Ausstellung besucht, erhält viele Informationen zur Entstehungsgeschichte der Grimm’schen Hausmärchen, zu französischen und italienischen Märchensammlungen und natürlich zu Wilhelm und Jacob Grimm. So zeigt ein Stahlstich von Louis Katzenstein (Anfang 20. Jahrhundert) das Brüderpaar in der Stube von Märchenzuträgerin Dorothea Viehmann. So schlägt die Schau einen interessanten Bogen von Kassel ins Ausland und wieder zurück in die Heimat.

Bis 23. Dezember, Kasseler Bank, Rudolf-Schwander-Str. 1, Mo-Mi 8.30-16.15, Do 8.30-18, Fr 8.30-15 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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