Interview: Kiki Sauer von den 17 Hippies über ihr neues Album, das Kasseler Kulturzelt und Berlin

„So toll wie jetzt war es noch nie“

Auch auf ihrem neuen Album gehen die 17 Hippies auf eine musikalische Weltreise. „Phantom Songs“ enthält mexikanischen Mariachi und osteuropäische Klänge, und zu einer albanischen Melodie und einem Reggae-Beat wird Südhessisch gesungen. Wir unterhielten uns mit der Sängerin und Akkordeonspielerin Kiki Sauer (46), die mir ihrer Berliner Band am 21. August im Kasseler Kulturzelt auftritt.

Frau Sauer, wissen Sie noch, wie oft Sie schon im Kasseler Kulturzelt aufgetreten sind?

Kiki Sauer: Da muss ich überlegen: vier- oder fünfmal?

Diesen Sommer ist es bereits das zehnte Konzert.

Sauer: Echt, so oft? Das hätte ich nicht gedacht. Wir haben uns jedenfalls schon ab und an gefragt, ob die Leute nicht irgendwann gelangweilt sein werden von uns. Und dann wird es jedes Mal doch ein ganz besonderes Konzert. Das liegt vor allem am Kasseler Publikum, das niemals müde wird.

Wie finden Sie den temporären Bau, der das Zelt im vergangenen Jahr abgelöst hat?

Sauer: Natürlich sieht das Raumschiff von außen anders aus. Aber die Auftrittsbedingungen sind jetzt sehr viel besser - nicht nur wegen der Akustik. Bei einem unserer Konzerte waren es bestimmt mal 38 Grad. Da tropfte es von der Zeltdecke. Jetzt ist es ideal. Im Übrigen habe ich einen Riesenrespekt davor, wie es das Kulturzelt schafft, sein Publikum für Neues zu motivieren.

Sie sind viel durch die Welt gekommen und leben in Berlin. Könnten die 17 Hippies auch in Kassel funktionieren?

Sauer: Darüber haben wir noch nicht nachgedacht. Ich denke aber, dass es uns so nicht in London, New York und Paris geben könnte. Berlin hat ganz viele Möglichkeiten. So toll wie jetzt war es noch nie. Immer wieder stellen Menschen erstaunt fest: Mensch, bei euch kann man ja wild Plakate hängen, man kann Rad fahren, was in London und New York illusorisch ist. Und es gibt unendlich viele Clubs. Überall findet etwas statt. Das wird als große Freiheit empfunden.

Dazu kommt, dass man sich Berlin im Gegensatz zu anderen Metropolen leisten kann.

Sauer: Stimmt, die Mieten sind niedrig. Auch wir können nicht von unserer Band leben. Wir haben Familien zu versorgen. Darum hat jeder noch einen anderen Job, ich etwa kümmere mich ums Management.

Auf „Phantom Songs“ mischen Sie wieder die unterschiedlichsten Stile, trotzdem wirken die Lieder ruhiger. Manche erinnern gar an Belle and Sebastian.

Sauer: Es stimmt, dass unsere neuen Stücke songorientierter sind. In 12 von 13 Liedern wird gesungen. Das Album ist ein Querschnitt von dem, was wir gut finden. Genau das schätzen auch immer mehr andere Menschen. Zuletzt habe ich eine Kleinanzeige gelesen, in der stand: „Ich will in so einer Band spielen wie die 17 Hippies.“

„Biese Bouwe“ singen Sie auf Südhessisch. Was hat es damit auf sich?

Sauer: Gitarrist Dirk Trageser ist unser Hardcore-Hesse. Er stammt aus Altenmittlau bei Gelnhausen und hat mittlerweile Texte für drei Lieder geschrieben. „Biese Bouwe“ handelt von den bösen Buben, die sich auf der Kirchweih in Kahl schlagen. Im Lied heißt es: „Biese Bouwe gi ned ham, weil deham wad die Madam.“ Böse Buben gehen nicht heim, weil zu Hause wartet die Madame.

Sie selbst sind auch nicht oft zuhause. Zuletzt tourten die 17 Hippies bei dem von Peter Gabriel initiierten Womad-Festival durch Australien und Neuseeland. Wieviel Konzerte spielen Sie im Jahr?

Sauer: Um die 120. Irgendwann haben wir es zurückgefahren, weil wir unsere Zeit nicht nur auf Flughäfen verbringen wollen. Wir haben keinen 9-bis-17-Uhr-Job, und er wird auch nicht so bezahlt. Aber unsere Tourneen sind auch nicht uninteressant. An so etwas hätte ich nie gedacht, als wir vor 17 Jahren anfingen. Damals haben wir uns getroffen, um ab und an in Kneipen zu spielen. Und nun treten wir bei einem unglaublichen Festival in Australien auf.

17 Hippies: Phantom Songs (Hipster Records / Soulfood). Wertung: !!!!:

Die 17 Hippies spielen am 21. August im Kasseler Kulturzelt. Tickets ab Samstag beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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