Tolle Auftritte von Gasandji und Mokoomba aus Afrika beim Kasseler Weltmusikfestival

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Charismatisch: Die aus dem Kongo stammende Sängerin Gasandji eröffnete das Festival. Foto: Fischer

Kassel. Wer in den letzten Jahren regelmäßig die Auftaktveranstaltungen des Weltmusikfestivals in den Räumen der Kasseler Sparkasse besuchte, erlebte diesmal einige kleine Veränderungen mit großer Wirkung. Anstelle von drei Bands und einem elegischen Einstiegskonzept präsentierte man diesmal lediglich zwei Formationen mit der klaren Vorgabe, gleich mal dem Mamor in der Schalterhalle das Fürchten zu lehren.

Als Moderationsteam konnte man Urban Beyer und Ray Valencia gewinnen, die als gestandene Musiker mit einem künstlerischen Verbundenheitsgefühl und ehrlicher Begeisterung ihre Kolleginnen und Kollegen ankündigten. Sparkassenmitarbeiter hatten eine von der Decke hängende Mohnblumen-Deko installiert, die Beyer zu der Äußerung verleitete, dass er noch nie „so viele Blüten in einer Bank gesehen“ habe.

Spaß und Lebensfreude dirigierten den Abend, doch leider gab es auch einige Ärgernisse zu verzeichnen. Bedrohliche Rückkopplungen sorgten für Irritationen, ein penetranter Fotograf belagerte fast eine Stunde lang die Bühne und eine brüllend laut gemischte Bassdrum pumpte bei dem Auftritt der kongolesischen Sängerin Gasandji überdimensionierte 60 Hertz durch die voll besetzten Stuhlreihen.

Doch dies alles konnte den Eindruck eines gelungenen Konzertabends nicht nachhaltig trüben. Denn die afrikanischen Künstler sorgten ausnahmslos für eine berauschende Atmosphäre. Die in beiden Formationen charismatisch besetzten Hauptrollen faszinierten und das rhythmisch brillant in Szene gesetzte Feuerwerk provozierte von der ausladenden Stuhlgymnastik bis zur expressiven Tanzeinlage einen kontinuierlichen Bewegungsschub beim bunt gemischten Publikum.

Gasandji wirkte wie eine zum Leben erweckte Figur des Bildhauers Giacometti. Groß, schlank und mit einem Lächeln gesegnet, das jeden in der Halle einen Kreditvertrag unterschreiben ließe, ohne ihn auch nur einmal durchzulesen.

Leichtfüßig kamen auch die Kompositionen daher. Pop-Arrangements und Afrobeats harmonierten perfekt und auch die folgenden Mokoomba aus Zimbabwe mit ihrem Leadsänger Mathias Muzaza surften eindrucksvoll auf dieser Welle. Die mentale Verschmelzung von Natur, Emotion und Körper strahlte aus jedem Ton, jedem Schritt und jedem Gesichtsausdruck.

Und immer wieder steht die Frage im Raum, wie können diese Künstler trotz Krieg, Hungersnot, Rassismus und Ausbeutung ein derart positives Lebensgefühl transportieren. Mokoomba hätten auch als A-cappella-Band oder als rein instrumentale Fusion-Formation funktioniert.

Gesanglich und spieltechnisch verwöhnte man mit feiner Präzision. Tanzchoreografien und die coole Township-Fashion der Protagonisten sorgten für optische Reize. Am Ende des Konzertes wurde der lang anhaltende Applaus mit mehreren Zugaben belohnt.

Nächste Termine in Kassel: Dienstag, 29.4., 20 Uhr, Akkordeonale, Adventskirche, Lassallestraße 2. Freitag, 2.5., 20.30 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Mombachstraße 12, Creole-Night mit Rishaba und Absinto Orkestra.

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