Tolle Musiker, tolle Stimmung: Texmex-Band Calexico im Kasseler Kulturzelt

Schwärmte vom Kulturzelt und von Kassel: Joey Burns beim Auftritt von Calexico, im Hintergrund Bassist Scott Colberg. Foto: Hedler

Kassel. Das klingt wie beim Schamanen in der Sprechstunde. Im neuen Song „World Undone“ erzeugen die großartigen Musiker von Calexico einen mystischen Sound.

Mit Hall, kreischenden Riffs und einem unentwirrbaren Klanggewebe beamen sie die Bühne im Kasseler Kulturzelt in eine unheimliche Welt, die mit dem Einsatz des Lieds in der Horrorserie „Fear The Walking Dead“ zu tun haben mag. Sonst sind Calexico ja eher in der US--mexikanischen Wüste unterwegs mit Mariachi-Trompeten, Westerngitarren und Breitwandsound. Eine coole Stilergänzung, die beim schwofenden Publikum bestens ankam.

Frontmann Joey Burns kam in den zwei Konzertstunden mehr und mehr in Plauderlaune, freute sich über die treuen nordhessischen Fans, fühlte sich im Zelt wie zu Hause, attestierte der Stadt jede Menge Hippness und erzählte von seinen Zwillingstöchtern, die derzeit am liebsten in Prinzessinnen- und Einhornwelten lebten.

Opulente Inszenierungen sind auch die Songs der Band, die ihre Live-Qualitäten auch durch den fein abgemischten Sound im bestens gefüllten Rund zur Geltung bringen konnte. So fing mancher der dramaturgisch ausgefeilten Titel balladig an, steigerte sich dann in ein rockiges Gitarrensolo und bremste schließlich ab, bis nur die federnden Drums von John Convertino und das Bassfundament von Scott Colberg nachklangen. Etwa beim hypnotischen Instrumental „Fake Fur“.

Auch der Wave-Hit „Love Will Tear Us Apart“ von Joy Division und der kubanische Klassiker „El Cuarto De Tula“ vom Buena Vista Social Club leuchteten im Calexico-Klangbild auf wie ein hochsommerlicher Perseidenschwarm. Erst merkte man die Einschübe gar nicht, so harmonisch wurden sie mit dem eigenen Material verzahnt. Ähnlich wie die Vibrafonklänge des nordhessischen Multiinstrumentalisten Martin Wenk, der sie mit dem Keyboardsound von Sergio Mendoza quasi nahtlos zu verschmelzen vermochte. Lateinamerikanische Cumbias weckten die Tanzlaune im Publikum, hier gaben Trompeter Jacob Valenzuela und Gitarrist Jairo Zavala alles.

Zavala war der Magier an Telecaster und Lap Steel, der sowohl mit krachigen Soli als auch mit einem Hintergrundsound überzeugen konnte, der melancholisch wirkte, wie aus einem Tarantino-Film. Vom Stimmungskracher „Guero Canelo“ wurde dann am Schluss abgebremst zur zurückgenommenen Countryballade „When The Angels Played“ mit einem traurigen Mundharmonikasolo. Und als Joey Burns Kassel mit Tucson verglich, konnte man sich schließlich tatsächlich wie in Arizona fühlen.

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