Tolle „Rocky Horror Show“ am Deutschen Theater in Göttingen

Schräge Hausgesellschaft (von links): Sarah Schermuly (Columbia), Nadine Nollau (Magenta), Riff-Raff (Karl Miller, liegend). Foto: Winarsch

Göttingen. „Diese Reise wird Sie erschüttern und erbauen.“ Geheimnisvoll führt ein Erzähler in die Ereignisse ein. Er verspricht nicht zu viel. Mit einem Feuerwerk aus Musik und Tanz, einem grandiosen Bühnenbild und fantasievollen Kostümen feierte „The Rocky Horror Show“ am Samstag im Deutschen Theater in Göttingen Premiere.

Bald nach der Uraufführung 1973 in London entwickelte sich ein wahrer Kult um die Show, der sich mit der Verfilmung als „Rocky Horror Picture Show“ steigerte und nichts an Popularität eingebüßt hat. Auch wenn sich das Göttinger Premierenpublikum mit ritualisierten Sprechchören, Verkleidungen und Reiswerfen sehr zurückgehalten hat, den Vergleich mit den berühmten Vorgängern braucht die Inszenierung von Michaela Dicu keinesfalls zu fürchten. Allein das Bühnenbild (Fabian Gold), das Schlossinnere als riesige Dampfmaschine, ist mit blitzenden Kesseln und Kurbeln ein Hingucker. Die Kostüme (Judith Adam) mit Anleihen ans viktorianische Zeitalter, Mythologie und verstaubte Zukunftsfilme vervollständigen das gruselig-düstere Szenario mit einem gehörigen Spritzer an Witz und Respektlosigkeit.

Lesen Sie dazu auch: Interview mit den Machern der Show: Britta Pudelko, Michaela Dicu, Anna Gerhards und Judith Adam.

„Steam-Punk-Retro-Futurismus“ - eine Art Rückblick in Zukunftsvisionen - nennt Dramaturgin Anna Gerhards ihre Zauberformel. Sie hat das Stück als Persiflage und gleichzeitige Hommage an das Science-Fiction- und Horrorfilm-Genre ideal umgesetzt.

Sanft beginnt es für die Zuschauer mit Brads trotzig-schmalzigem Heiratsantrag „Dammit Janet“ – Anja Schreiber und Andreas Schneider mit wunderbaren Stimmen und ganz brav – sowie Janets „There’s a Light“. Beim „Time Warp“ möchte man mittanzen und mitsingen. Immer wieder branden Zwischenapplaus und Bravorufe auf.

Benjamin Krüger stellt den exzentrischen Wissenschaftler Frank’N’Furter, in dessen Schloss Brad und Janet nach einer Panne landen, zunächst eher smart, cool und sexy dar, entwickelt die Figur faszinierend zum expressiven Wahnsinnigen und steht stimmlich seinem Filmkollegen Tim Curry nicht nach. An seiner Seite spielt Nikolaus Kühn den von ihm geschaffenen Rocky sanftmütig und mit viel naiver Situationskomik.

Schlaksig, an Komik kaum zu überbieten, mit witzigem englischen Akzent stellt Karl Miller eine ideale Verkörperung des Butler Riff-Raff dar – ein Publikumsliebling. Ebenso ausdrucksstark: Nadine Nollau und Sarah Schermuly als Magenta und Columbia und Peter Füllgrabe als Eddie. Ruhig und zurückhaltend Lutz Gebhardt als Erzähler und Dr. Scott.

Vervollständigt wird das Ensemble durch neun „Transilvanians“. Laien, die wie ihre professionellen Kollegen von Annette Jahr und Britta Pudelko vorbereitet worden waren. Mit sattem Sound unterstützten sechs Bandmitglieder (Leitung: Albrecht Ziepert) die Aufführung mitreißend und meisterten ihre Schnelligkeit und Dichte bewunderswert. Der Beifall wollte nicht enden.

Wieder am 31.10., 6. und 29.11. Karten: Tel. 05 51/ 49 69 11.

Internet: www.dt-goettingen.de

Von Carmen Barann

 

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