NeoBarock bei Schlosskonzerten: Tolle Spielfreude

Kassel. Eine Lücke im Kasseler Musikleben schließen die vom Radiosender hr2-kultur veranstalteten Wilhelmshöher Schlosskonzerte, denn in diesem Jahr lautet ihr Motto „Barock pur“.

Zwar gibt es in Kassel einige Experten für historische Aufführungspraxis, aber im Allgemeinen bevorzugen die heimischen Künstler den traditionellen romantischen Ansatz. Das Publikum schätzt jedoch den frischen Barockklang. Insgesamt 400 Zuhörer kamen am Wochenende zu den beiden Konzerten im Ballhaus, wo das Ensemble NeoBarock die Reihe eröffnete.

Volker Möller (Violine), Maren Ries (Violine und Viola), Joachim Fiedler (Cello) und Fritz Siebert (Cembalo) vereinten dabei eine enorm differenzierte Gestaltung, spürbar selbst beim kleinsten Violineinwurf, mit einer fabelhaften Spielfreude. Höchst lebendig auch die agogischen Pointen, die Freiheiten in Tempo und Rhythmus.

Hier nur einige Glanzpunkte des Programms, das die stilistischen Wandlungen im 18. Jahrhundert und den Einfluss der Bach-Familie auf die Klassiker nachzeichnete: Im Finalsatz von Johann Christian Bachs Quartett G-Dur (1779) amüsierten freche, mit gleitenden Glissandi versehene Effekte. Das Stück wirkte bizarrer, als man es von dem geschmeidigen, jüngsten Bach-Sohn erwarten würde.

Nicht alle Tage hört man ein Beethoven-Werk mit Cembalo, wie hier beim Quartett D-Dur des 15 Jahre alten Junggenies. Gerade im langsamen Moll-Satz zeigt Beethoven seine Leidenschaft, da spürt der Zuhörer schon die Pranke des Löwen.

Hinreißend dann noch die Zugabe mit einer Violin-Fassung von Bachs berühmter Badinerie aus der h-Moll-Suite. Danach war sogar ein legeres „Hui!“ im edlen Ambiente zu vernehmen.

Von Georg Pepl

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