Toller Klang-Marathon bei den Kasseler Musiktagen

Internationales Top-Ensemble: Das Auryn Quartett mit (hinten von links) Andreas Arndt, Stewart Eaton und Matthias Lingenfelder sowie (vorn) Jens Oppermann Foto: nh

Zwei außergewöhnliche Ensembles boten den Kammermusik-Enthusiasten bei den Kasseler Musiktagen ein besonderes Erlebnis. Erst für sich und dann auch gemeinsam. Unser Kritiker war begeistert.

Kassel. Es war ein Ereignis für Kammermusik-Enthusiasten: Zwei renommierte Streichquartette gaben sich am Samstag die Ehre bei den Kasseler Musiktagen, das Klenke Quartett und das Auryn Quartett. Jedes Ensemble gestaltete ein Konzert mit Schubert und Neuer Musik. Zum Abschluss begeisterten sie dann gemeinsam: Mendelssohns jugendfrisches Oktett erklang sprühend-virtuos im ausverkauften Ständesaal.

Die Ensembles

Das in Berlin und Thüringen ansässige Klenke Quartett wurde 1991 gegründet. Die Musikerinnen Annegret Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser kultivieren einen schlanken, schwerelosen, etwas zurückhaltenden Stil - gerade das Cello-Fundament kommt recht distanziert daher.

Seit 1981 spielt das Auryn Quartett zusammen, das zu den internationalen Top-Ensembles zählt. Matthias Lingenfelder, Jens Oppermann, Stewart Eaton und Andreas Arndt lehren als Professoren an der Detmolder Musikhochschule. Ihre Klasse zeigten sie auch in Kassel: ein ungemein präsenter Klang, tragend selbst beim leisesten Pianissimo.

Zweimal Schubert

Die beiden Formationen spielten Schubert-Stücke, die ihren Handschriften durchaus entgegenkamen. Das Klenke Quartett setzte, angenehm zu hören, auf das mehr lyrische „Rosamunde-Quartett“. Das Auryn Quartett wühlte dagegen mit „Der Tod und das Mädchen“ auf - für viele ein Höhepunkt des Streichquartett-Marathons. Beeindruckend war die treibende Kraft der Musiker. Auch der berühmte Variationensatz hatte im schreitenden Tempo einen klar markierten Rhythmus.

Neue Musik

Zu den Kasseler Musiktagen gehört das breite, undogmatische Angebot an Neuer Musik. Diesmal gab es Stücke, die bei aller Modernität an das expressive Erbe der deutschen Tradition anknüpften. Die „Auryns“ präsentierten Günter Bialas‘ Quartett Nr. 4 „Assonanzen“, das sich auf Eichendorff bezieht, sowie das 3. Quartett von Manfred Trojahn.

Die „Klenkes“ eröffneten den Konzertreigen mit „Das Mädchen und der Tod“ von Siegfried Matthus. Darin wird der Sensenmann als Drogendealer imaginiert. Der Rausch, plastisch mit gleitenden Tonfolgen ausgemalt, klang so verführerisch wie unheilvoll.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.