Toller Start: Weltmusikfestival mit Çigdem Aslan und Titi Robin

Lebensfreude, Wut und Trauer: Çigˇdem Aslan brachte mit ihrer Band das Publikum bei Weltmusikfestival zum Tanzen. Foto: Fischer

Kassel. Am Freitagabend fand die Eröffnungsveranstaltung des 18. Kasseler Weltmusikfestivals im Foyer der Kasseler Sparkasse statt. Gut 400 Gäste erlebten ein Doppelkonzert der Bands von Çig?dem Aslan und Titi Robin.

Das Kasseler Weltmusikfestival ist eine Veranstaltung des Kulturzentrums Schlachthof und der Kulturstiftung der Kasseler Sparkasse mit Unterstützung des Kulturamts der Stadt Kassel, der HNA und des Hessischen Rundfunks.

Die Musiker Urban Beyer und Rey Valencia führten das aufmerksame Publikum leger und kompetent moderierend durch den Abend. Es gab Grußworte von Wolfram Ebert, Vorstandsmitglied der Kasseler Sparkasse, und von OB und Kulturdezernent Bertram Hilgen, welche die verbindende und respektvolle Weltoffenheit der Stadt Kassel heraushoben, in der für Ausgrenzung kein Platz sei.

Den musikalischen Auftakt machte die in Istanbul aufgewachsene Çigdem Aslan mit ihrer fünfköpfigen Gruppe. Dezent und etwas zurückhaltend beginnend, zeigte das Ensemble im Laufe seines Programmes die vielen Facetten der Rembetiko-Musik auf: entstanden in Kneipen zwischen Athen und der Türkei, pendelnd zwischen Lebensfreude, Hoffnung, Wut und Trauer. Die Texte in Türkisch, Griechisch, Kurdisch und Armenisch drehten sich um Liebe, Flucht, Vertreibung, Trinken und Haschischrauchen. In einem Lied gedachte Aslan der vor hundert Jahren ermordeten Armenier. Mit einer Zugabe verabschiedete sich das Quintett vom teilweise mittanzenden Publikum.

Der französische Gitarrist und Weltenbummler in Sachen Musik, Titi Robin, brachte nach der langen Pause stark nordafrikanisch gefärbte Klangmuster auf die Bühne: Beim arabischen Gnawa-Gesang des jungen Marokkaners Mehdi Nassouli, unterlegt von Guembri-Laute, Bendir-Trommel und vielfältigen Percussion-Sounds, lagen die Akzente auf der mitreißenden Rhythmik. Dazugemischt wurden noch Akkordeon und Bouzouki, was seltene Hörgenüsse bescherte. Nach einer Zugabe für das begeisterte Publikum endete das Konzert kurz vor Mitternacht.

Von Michael Lacher 

Weltmusik am Samstag: 

Statt Kredit und Cash gab’s auch am Samstagabend Weltmusik in der gut gefüllten Kundenhalle der Sparkasse. Musiker aus Osteuropa und Afrika brachten ihre Musik nach Kassel. Die ungarisch-bulgarische Formation Meszecsinka verband dabei osteuropäische Volksmusik mit nordafrikanisch-orientalischen Klang- und Bewegungsbildern. Dabei schraubte die Sängerin Annamaria Oláh ihre Stimme so mühelos in die Höhen des viergestrichenen C, dass es Szenenapplaus gab.

Die nordafrikanisch angereicherten Songs waren rhythmisch dicht unterlegt. Zudem konterkarierten die eingelagerten elektronischen Looptechniken und basszentrierten Rhythmen die scheinbar vormodernen Klangfärbungen derart, dass sich eine orientalische Abendstimmung erst gar nicht breit machen konnte.

Meszcsinka ist in ihrer musikalischen Mischung originell und zu recht international unterwegs. Das gleiche gilt für Bassekou Kouyate, den Modernisierer des klassischen afrikanischen Saiteninstruments, der N’goni. Das klingt bei ihm verzerrt wie eine E-Gitarre und hätte auch Platz auf dem Herzberg Festival. Bei seinem Familienauftritt (Ehefrau, zwei Söhne, Bruder und Neffe) zog er nicht nur mit seinen Gitarrenrock-Einlagen so manchen Besucher vom Sitz, sondern zeigte auch mit seiner afrikanischen creo(len) Musik, wo die Wurzeln der modernen Blues-, Rock- und Popmusik liegen. Eine spannende Mixtur, die das Publikum bei einem irren Trommelsolo des Neffen nahe an die Raserei brachte.

Für den entspannenden Ausgleich sorgten die charmanten Moderatoren des Abends, die Kasseler Musiker Urban Beyer und Rey Valencia. Ein lohnender Abend.

Von Wolfgang Wollek

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