Ein tolles Jubiläum: Die 20. Ausgabe des Jazzfests

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Ließen es krachen: Die zwölfjährige Sängerin Monja Meier und die Big Band der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen.

Kassel. Von der Buchstaben-Musik bis zur jungen Big Band: Jede Menge Kreativität gab’s beim 20. Jazzfest Kassel. Ein tolles Jubiläum - und ein kräftiges Ausrufezeichen für den heimischen Jazz.

Beeindruckend war am Freitag im Schauspielhaus das Third Eye Orchestra um Hans Tammen, der als Komponist und Dirigent ein spektakuläres Konzept ersonnen hat. Dessen Grundlage besteht aus sogenannten Modulen, musikalischen Bausteinen. Tammen lenkt die Aufführung, indem er mit Buchstaben-Karten anzeigt, welche Module gespielt werden sollen.

Das Ergebnis klang manchmal jazzrockig, mit einem treibenden Groove, wilden Bläsersoli und ätzenden E-Piano-Akkorden, dann wieder zerbrechlich lyrisch. Für Traditionalisten mag das alles leicht verrückt gewirkt haben, dabei war es alles andere als das: Tammens Rhythmen und Melodien hatten ihren guten Sinn: ein weiter, sich in der Intensität auf- und abschaukelnder Spannungsbogen.

Selbstverständlich lebt ein solches Konzept auch von den Ausführenden. Hier legten sich alle elf, Kasseler und ehemalige, mit voller Konzentration ins Zeug. Musiker, die man nicht alle Tage auf einer Bühne sieht, waren vereint, etwa Martin Speicher, Hugo Scholz, Ulli Götte und Berthold Mayrhofer.

Repräsentativ war das Orchester außerdem, denn mit Rolf Denecke, Susanne Herrmann und Detlef Landeck mischten jetzige und frühere Repräsentanten des Fördervereins Kasseler Jazzmusik kräftig mit. Hans Tammen, inzwischen in New York lebend, zählte übrigens 1990 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins.

Nach dem buntwilden Kasseler Musikstrom wirkte das auswärtige Laroussi-Badila-Quartett fast ein bisschen brav, auch wenn die spieltechnische Eleganz von Djamel Laroussi (Gitarre, Guembri) und Decebal Badila (Bass) außer Frage stand. Bekannte Jazzstücke trafen auf nordafrikanische und rumänische Folklore - inklusive der Obertonflöte von Nicolas Simion. Das Publikum freute sich zu Recht über den sympathischen Auftritt.

Grandioser Ulli Orth

200 Gäste waren am Freitag im Schauspielhaus (wo die Blue Heaven Jazzmen im Vorprogramm für beswingte Unterhaltung sorgten). Am folgenden Abend genossen 350 Zuhörer die lange Jazznacht im Gleis 1. Neun Bands und eine Session brachte das Stelldichein, das erst weit nach Mitternacht zu Ende ging.

Eingangs ließ es die Big Band der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen krachen, die manches Talent dabeihatte wie die zwölfjährige Sängerin Monja Meier. Im Folgenden war für jeden Geschmack etwas zu finden. Es lohnte, die Jazznacht ganz zu erleben - auch weil das Third Eye Orchestra nochmals auftrat, diesmal verstärkt durch den grandiosen Saxofonisten Ulli Orth.

Mit Orth begeisterten später Detlef Landeck, Donato Deliano, Rolf Denecke und Tobias Schulte, die sich Musik des Saxofonisten James Moody annahmen. Lob für seine Flexibilität gebührt dem Helmut-Schäfer-Quintett: Am Donnerstag hatte es im Kulturzentrum Schlachthof Stücke Kasseler Komponisten gespielt, im Gleis 1 überzeugte es mit Eigenkompositionen.

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