Tolles Kindermusiktage-Finale mit dem Vogler-Quartett und Schülern

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Profi-Musiker und Schüler performen gemeinsam: Tim Vogler (Violine) und Stephan Forck (Violoncello) mit Schülern der Klasse 6 a der Waldorfschule, die sich zu einer Bach-Invention bewegen.

Kassel. Einiges war anders als gewohnt beim Meisterkonzert des Vogler-Quartetts am Donnerstag zum Abschluss der Nordhessischen Kindermusiktage. Nach der Pause überließen die Musiker den Schülern der Klasse 6 a der Kasseler Waldorfschule die Bühne, um sich davor in Duo-Besetzung zu platzieren.

Zwei zweistimmige Inventionen Bachs dienten als Grundlage für eine Eurythmie-Darbietung, die das Thema der Kindermusiktage, „Paare und Gegensätze“, sehr schön veranschaulichte. Farblich abgesetzt, folgten die Schüler in zwei Gruppen den Stimmverläufen und machten mal Übereinstimmung, mal Kontraste deutlich.

Ebenfalls noch eine Seltenheit: Für die Bach-Stücke hatten die Musiker des Vogler-Quartetts nicht Notenhefte auf dem Pult stehen, sondern Tablet-Computer.

Was sich allerdings nicht von früheren Auftritten der Voglers unterschied: Die unglaublich präsente Ausstrahlung dieses Ausnahme-Quartetts, das nicht nur spieltechnisch brillant und klangintensiv agiert, sondern es auch versteht, dem Publikum nahe zu sein – ohne jene imaginäre Wand, die oftmals Musiker und Publikum trennt.

Die Geiger Tim Vogler und Frank Reinecke, der Bratschist Stefan Fehlandt und der Cellist Stephan Forck haben es andererseits auch nicht nötig, sich ständig im roten Tourenbereich zu bewegen. Ihr Spiel wirkt im besten Sinne selbstverständlich.

So beim eingangs gespielten d-Moll-Quartett op. 76,2 von Joseph Haydn, das nach seinem prägnanten Auftaktmotiv den Beinamen Quinten-Quartett erhielt. Kompaktheit, verbunden mit Beweglichkeit, dazu durchaus kantig-derbe Klänge im Menuett machten die Interpretation der Voglers aus.

Ein Kabinettstück ließen Tim Vogler und Stephan Forck mit Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello folgen. Wie sich die beiden Akteure im ersten Satz synkopisch verhakten, dann mit einer Pizzicato-Salve in den zweiten Satz starteten, dort immer wieder die Rollen tauschten und schließlich im super-pointierten Finale feinen musikalischen Humor versprühten, versetzte das Publikum im voll besetzten Uni-Konzertsaal in Begeisterung.

Nach der Bach-Performance folgte mit Robert Schumanns a-Moll-Quartett op. 41,1 ein weiterer Höhepunkt. Einfach toll, wie transparent und lebendig die Musiker den akkordisch dichten ersten Satz gestalteten und wie sich im raffinierten dritten Satz die Stimmen unmerklich ineinander verschränkten.

Das Finale, das mit seiner rasanten Thematik alle vier Spieler gleichermaßen virtuos hervortreten lässt, war der viel bejubelte Abschluss des Programms, aber nicht das Ende des Konzerts. Eine einminütige Meditation als Zugabe, die fünfte Webern-Bagatelle – das bekommen nur die Voglers hin.

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