Tolles Konzert des Vogler-Quartetts beschließt die Kindermusiktage

Ganz aufs Wesentliche konzentriert: Das Vogler-Quartett mit (von links) Tim Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck. Foto: Fischer

Kassel. Muss ein Streichquartett ein Markenzeichen besitzen? Viele der jungen Quartette glauben das und feilen an einem speziellen Sound oder tun sich durch Musizieren in permanenter Höchstspannung hervor.

Das Vogler-Quartett, das bereits zum neunten Mal die Nordhessischen Kindermusiktage mit einem Meisterkonzert beschloss, ist da ganz anders. Die vier Musiker, Tim Vogler und Frank Reinecke (Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Stephan Forck (Violoncello) verzichten auf alles Beiwerk.

Keine Klangspielereien, keine ausladenden Bewegungen: Fast nüchtern wirkt ihr Spiel im voll besetzten Uni-Konzertsaal. Die Konzentration ganz auf die Partitur gerichtet. Sodass sich bei Schuberts c-Moll- Quartettsatz die Melodie der ersten Violine aufs Zarteste aus dem flirrenden Beginn löst. Die heiklen Wechsel der Oktavlage in der Violine werden in ihrer Zerbrechlichkeit vorgeführt - und doch gewinnt der aus einer nervösen Grundhaltung rührende Satz eine klanglich fein ausbalancierte lyrische Festigkeit.

Spielerisch, rhythmisch prägnant, mit einem dominierenden Violoncello eröffnet Dmitri Schostakowitsch sein 14. Streichquartett. Ein wahrhaft großes Erlebnis wurde allerdings das Adagio daraus: Mit unerbittlicher Ruhe und Gelassenheit ließen die Voglers die Stimmen sich wie endlose Meereswellen umspielen, die dann aber gelegentlich auf idyllische Inseln in zarten Dur-Farben treffen. Große Musik, die schon einen Vorgeschmack auf das monumentale, fast zwanzigminütige Adagio molto aus dem Streichquartett op. 132 von Ludwig van Beethoven bot.

Dessen „Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit“ nach langer Krankheit mit seinen lebhaften Intermezzi („neue Kraft fühlend“) spielte das Vogler-Quartett mit sanfter Intensität und spürte dabei noch den feinsten Nuancen der Partitur nach. Auf feierliche Überhöhung verzichteten die Voglers vollständig. Stattdessen legten sie einfach die menschlichen Regungen offen, die diesem Satz zugrunde liegen. Eine starke musikalische Einfühlung, die bis zum drängenden Finale nicht nachließ.

War danach eine Zugabe überhaupt möglich? Angesichts des jubelnden Beifalls spielten die beiden Geiger doch noch einen Satz aus Prokofjews Sonate für zwei Violinen.

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