Die Sprachkunst-Reihe 3 durch 3 präsentierte Gedichte, Experimentalfilme und Performancekunst

Ton-Akrobatik und Klang-Kino

3 durch 3 im Kunsttempel: (von links) Hubert Sielecki, Anat Pick, Eckhard Rhode. Foto: Helm

Kassel. Drei Künstler, auf den ersten Blick so unterschiedlich, wie sie nur sein können. Einer aus Deutschland. Einer aus Österreich. Eine aus Israel. Eingeladen von der Sprachkunst-Reihe 3 durch 3, um das Kasseler Publikum in ihr ungewöhnliches Werk einzuweihen.

Der eine schreibt schnörkellose Gedichte, bietet bildreiche Wortkunst an. „Die Narbe“ ist sein immer wiederkehrendes Motiv. „Bruchstellen“, das Manuskript, aus dem der Hamburger Schriftsteller, Schauspieler und Gastronom Eckhard Rhode am Dienstagabend im Kunsttempel in Kassel las.

„Ein Gedicht ist ein Lösungsversuch, es passiert der Sprache, es durchquert sie,“ hieß es da.

Der Zweite zeigte Kurzfilme, die scheinbar jeder Geschichte entbehren, und dann doch überraschend reich an Inhalt sind. „Ich finde Bilder zu Texten“, erklärte der Wiener Filmemacher Hubert Sielecki, der zudem seit 1982 Leiter des Studios für experimentellen Animationsfilm an der Universität für Angewandte Kunst in Wien ist. Zu Texten der Autoren Karin Spielhofer und Gerhard Rühm entwickelt er eine vollkommen eigene, humoristische Bildsprache. Er erweckt Pinselstriche zum Leben, lässt schwarz-weiße Wassermassen zu Rühms Gedicht „Das ungleiche Brüder“ in Endlosschleife fließen. Und führte schließlich den Begriff „Österreich“ ad absurdum, indem er minutenlang ausschließlich Fernsehausschnitte, die das Wort Österreich beinhalten, zeigte.

Die Dritte spielte so virtuos auf ihrer Stimme, als sei sie ein Instrument. Anat Pick ist Performancekünstlerin aus Tel Aviv, arbeitet auf dem Gebiet der Lautpoesie. Ihre Präsentation erinnerte zunächst an buddhistische Mönchsgesänge, an Schwitters’ dadaistische Ursonate. Dazwischen füllte sie die intime Atmosphäre des Kunsttempels mit wütenden Ausrufen, leisem Schmatzen, tonlosen Tönen. In einem Moment glaubte man tatsächlich, Worte zu erkennen, im nächsten Moment folgten fast tierische Laute.

Wollte man als Zuschauer die Darbietung zu Beginn der Veranstaltung unbedingt mit dem Verstand erfassen, so ist es Rhode, Sielecki und Pick im Laufe der Zeit gelungen, den Abend zu einem sinnlichen und inspirierenden Erlebnis werden zu lassen.

Drei Künstler, die mit Sprache arbeiten, sich davon lösen, um Worthüllen zu knacken, den Kern zu enthüllen, und die sich viel näher sind, als auf den ersten Blick gedacht.

Den Link zu Hubert Sieleckis Filmen finden Sie auf www.hna.de

Von Belinda Helm

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