Ein Überblick über neue Weihnachts-CDs

Tori Amos rettet das Fest

Singt wie ein Engel: Die US-Musikerin Tori Amos bezaubert auf ihrem Weihnachtsalbum „Midwinter Graces“. Fotos: Penn Turin / dpa

Zwei Altmeister haben diese Saison schon im Herbst neue Weihnachtssongs veröffentlicht - mit unterschiedlichem Erfolg. Während „If On A Winter’s Night“ von Sting ein Meisterwerk ist, enttäuschte Bob Dylan mit „Christmas In The Heart“. Beide Alben haben wir bereits ausführlich besprochen. Hier stellen wir weitere Neuerscheinungen mit weihnachtlicher Musik vor - mal mehr, mal weniger gelungen.

Tori Amos: Midwinter Graces (Universal). Wertung: !!!!! Für Fans der Singer/Songwriterin ist es die Überraschung des Jahrzehnts. Eines Jahrzehnts, in dem Tori Amos mit ihren Alben nie richtig überzeugen konnte. Doch jetzt die große Läuterung: Die 46-Jährige hat all den Computer-Loops, Samples und dicken Band-Arrangements abgeschworen und ist bis auf eine Ausnahme („Pink And Glitter“) zur Schönheit ihrer ersten Alben „Little Earthquakes“ und „Under The Pink“ zurückgekehrt. „Midwinter Graces“ enthält 14 Songs, die nichts mit rotnasigen Rentieren, rotgekleideten Männern mit Rauschebärten und klingenden Glöckchen zu tun haben. Die fünf Eigenkompositionen passen nahtlos in die Reihe der ausgewählten Songs aus mehreren Jahrhunderten, die sich nicht als Weihnachtslieder sondern als Lieder zur Jahreszeit verstehen. Dieses Album könnte Weihnachten auf lange Zeit hin retten.

Verschiedene Interpreten: A Family Christmas (Putumayo) Wertung: !!!!: Bluegrass und Folk, Polka und Boogie-Woogie - die Familien-Weihnacht aus dem Haus der Plattenfirma Putumayo liefert dieser Tage Musik für die kleine Kneipe in unserer Straße ebenso wie für die Musik-Bar in den frühen Abendstunden. Elf swingende, gute Laune machende Weihnachtslieder, frei von Lametta und jeglicher Gefühlsduselei - man glaubt gar nicht, wieviel Spaß Weihnachten machen kann. Interpreten wie Maria Muldaur, Leon Redbone und Brave Combo gehören zur Spitzenklasse der jeweiligen Genres.

Michael McDonald: This Christmas (Rough Trade). Wertung: !!::: Eine Weihnachts-CD von dem Mann, der seine Karriere bei Steely Dan begann und später der Kopf und die Stimme hinter dem Erfolg der Doobie Brothers war - da kann doch eigentlich nichts schief gehen. Die Songs wurden mit viel Gespür für interpretatorische Vielfalt - Gospel, Dixie, Reggae, Blues, Jazz, Soul, Pop - ausgesucht und astrein produziert. Leider klingt das trotzdem so steril und langweilig, dass man beinahe Angst bekommt, Weihnachten zu verschlafen.

Andrea Bocelli: My Christmas (Decca). Wertung: !!::: Andrea Bocelli muss einem Leid tun. Da hat er diese klassisch geschulte Stimme, die für italienische Schmachtfetzen wie „Caro Gesu Bambino“ und „Tu Scendi Dalle Stelle“ geradezu prädestiniert ist. Doch das sind gerade zwei von 16 Songs dieser CD, auf der Bocelli gezwungen wird, zu teilweise obskuren Orchesterarrangements tausend Mal gehörte Oldies wie „Jingle Bells“, „White Christmas“ und „Santa Claus Is Coming To Town“ zu singen. Das musste einfach daneben gehen.

Michael Hirte: Einsamer Hirte - Die schönsten Weihnachtslieder (Sony). Wertung: ::::: Mit seinem Aufstieg vom Straßenmusiker zum RTL-„Supertalent“ wurde Michael Hirte berühmt. Auf seinem neuen Album interpretiert der Mundharmonikaspieler deutsche Weihnachtsklassiker wie „Leise rieselt der Schnee“ und internationale Evergreens wie „Jingle Bells“. Die Standards werden heruntergespielt, ohne dass auch nur ein Funken Emotion aufkommt. Braucht kein Mensch.

Von Wilhelm Ditzel

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