Von "TV total" zum Jazzfrühling: Die Heavytones

Als Band von Stefan Raab haben die Heavytones in den vergangenen 16 Jahren TV-Geschichte geschrieben. Nach dem Rückzug des Entertainers macht die Band nun Jazz - und kommt nach Kassel.

Die Heavytones gehörten zu Stefan Raab wie der Dom zu Köln. Im Dezember war nach 16 Jahren und 2243 gemeinsamen Shows Schluss. Nach dem Rückzug des „TV total“-Moderators aus dem Fernsehen macht die achtköpfige Formation mit einer Mischung aus Funk, Rock, Pop und Jazz als Live-Band weiter. Das im November erschienene Album mit dem wunderbaren Titel „Songs That Didn’t Make It To the Show“ schaffte es unter die Top Fünf der iTunes-Jazz-Charts. Am Samstag spielen die Heavytones beim Kasseler Jazzfrühling im Theaterstübchen. Wir sprachen mit Schlagzeuger und Band-Gründer Herbert Jösch.

Ihr Band-Kollege Hanno Busch sagt, viele Leute hätten Angst vor Jazz. Wie können Sie Ihnen die Angst nehmen?

Herbert Jösch: Das ist eine gute Frage. Die meisten Leute bringen uns gar nicht mit Jazz in Verbindung. Sie kennen uns aus 16 Jahren TV-Geschichte. Das hat musikalisch relativ wenig mit dem zu tun, was wir seit vier Jahren live verfolgen. Jeder von uns mag Jazz, wir machen aber alles andere als reinen Jazz. Bei uns sind sehr viele rockige, soulige und funkige Elemente drin. In die Jazz-Schublade werden wir wahrscheinlich oft gesteckt, weil wir als Instrumentalband auftreten.

Wieso treten Sie nicht mit Sängern auf?

Jösch: Zwischendurch haben wir immer wieder mit Gastsängern gearbeitet, etwa mit Stefanie Heinzmann und Max Mutzke. Aber die Leute haben sich immer gefragt, ob das nun ein Konzert von Stefanie Heinzmann ist oder ein Auftritt der Heavytones, bei dem Stefanie Heinzmann vorbeischaut. Es war weder Fisch noch Fleisch. Darum haben wir uns entschlossen: Wo Heavytones draufsteht, sind auch nur die Heavytones drin.

Bislang waren Sie vor allem Dienstleister, wie Sie es selbst genannt haben. Fangen Sie jetzt erst wieder richtig an, Künstler zu sein?

Jösch: Nein, wir waren vorher auch Künstler. Nur haben wir in einem speziellen Rahmen gearbeitet. Das ist wie bei einem Theaterorchester. In der Auswahl der Songs, die wir bei „TV total“ gespielt haben, waren wir übrigens vollkommen frei. Und wenn man mit Gästen wie Lionel Richie und Joe Cocker auftritt, versucht man, deren Musik so gut wie möglich umzusetzen. Man ist eine Art Dienstleister. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass wir eine Coverband sind. Ich hatte immer Gänsehaut.

Bislang haben Sie Jahr für Jahr 130 „TV total“-Shows bestritten. Was machen Sie nun mit Ihrer Zeit?

Jösch: Ich habe weniger freie Zeit als vorher. Früher lief das Marketing über Pro 7 und Brainpool, heute müssen wir alles selbst machen, um uns als Live-Band zu etablieren. Da hilft der Fernsehbonus wenig.

Wieso? Die Leute kennen Sie doch und sind gerade deshalb auf Sie gespannt.

Jösch: Die „TV total“-Zuschauer haben zu 90 Prozent wegen Stefan Raab eingeschaltet. Nur wenige interessieren sich für gut gemachte Live-Musik. Darum konnte ich 16 Jahre lang einkaufen gehen, ohne dass mich jemand erkannt hat. Wir hatten bei „TV total“ übrigens immer ein Wegschaltproblem. Sobald Musik lief, sind die Leute weitergezappt. Darum war Pro 7 nie an großen Musikshows interessiert.

Mit dem Ende von „TV total“ ist auch in musikalischer Hinsicht eine Ära zu Ende gegangen. Die einzige TV-Band heute gibt es bei Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“.

Jösch: Da werde ich ein bisschen wehmütig. Ich bin noch mit den Musikshows von Peter Frankenfeld aufgewachsen. Nun gibt es so etwas im Fernsehen gar nicht mehr. Und so etwas wie bei Stefan Raab wird es vielleicht nie wieder geben.

Wann kehrt Stefan Raab auf den Bildschirm zurück?

Jösch: Nie. Allenfalls wird er hinter der Kamera Fernsehen machen, aber nicht als Moderator. Andernfalls würde er sein Gesicht verlieren. Das passt nicht zu Stefan.

Die Heavytones spielen am Samstag, 20 Uhr, beim Kasseler Jazzfrühling im Theaterstübchen, Jordanstraße 9. HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Person

Gegründet: 2001 Mitglieder: (von links) Alfonso Garrido (Percussion), Wolfgang Norman Dalheimer (Keyboard), Max von Einem (Posaune), Rüdiger Baldauf (Trompete), Hanno Busch (Gitarre), Krischan Frehse (Bass), Thorsten Skringer (Saxofon) und Herbert Jösch (Schlagzeug).

Das Album: „Songs That Didn’t Make It To the Show“

Die Karriere: Schlagzeuger Herbert Jösch trat mit Stefan Raab schon im Jahr 2000 beim Eurovision Song Contest auf. Ein Jahr später stellte er die Heavytones für „TV total“ zusammen. Heute lebt der 43-Jährige, der zeitweise auch mit Anke Engelke und den famosen Soulsisters auftrat, mit seiner Familie im Odenwald.

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