Touchscreen-Nutzer brauchen leitfähige Handschuhe - oder Würstchen

Kassel. Der weltweite Handschuhmarkt ist in diesem Herbst so stark in Bewegung wie seit Jahren nicht mehr. Das liegt an der sprunghaften Verbreitung von Smartphones und anderen tragbaren Computern.

Die lassen sich mit den typischen Wischbewegungen der Finger bedienen, kleine Symbole unter einer Glasscheibe müssen mehr oder weniger genau getroffen werden.

Denn jetzt, wo es kälter wird, haben Nutzer ein Problem. Finger, die in Woll- oder Lederhandschuhen stecken, lösen die Informationsübermittlung in den smarten Elektronik-Helferchen nicht aus. Im Fachjargon: Die Stoffe sind nicht kapazitiv. Und so verändert sich der Markt für ein so uncooles Produkt wie Fingerwärmer. Hersteller wie der US-Outdoorausrüster The North Face, das Münchner Traditionshaus Roeckl und andere haben Handschuhe mit leitfähigen Spitzen entwickelt - selbst die Firma Apple hat ein Patent angemeldet und nimmt damit erstmals den Bekleidungsmarkt ins Visier.

Eine schmierige Lösung bei Kälte: Bifi-Würstchen lassen sich als Eingabemittel für Touchscreens benutzen - das Tippen mit der Salami funktioniert wirklich. Foto: Fraschke 

Der wahrscheinlich größte Durchstarter für die neuen Produkte ist das Berliner Internet-Startup-Unternehmen My fair Deal. Smartphone Gloves heißen dort die Wollhandschuhe, die erst seit wenigen Tagen auf dem Online-Markt sind. „Wir werden von Anfragen überrollt“, sagt Geschäftsführer David Spanier auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Umsätze wachsen rasant, die fünf Mitarbeiter, die sich eigentlich mit Produkten aus dem Tennissport beschäftigen, haben Verstärkung von studentischen Aushilfen angeheuert, um des Ansturms Herr zu werden. Und in nächtelangen Recherchen ausgetüftelt, wie man bei einer Google-Anfrage ganz oben landet.

Smartphone Gloves unterscheiden sich von anderen technik-kompatiblen Handschuhen dadurch, dass das Gewebe des gesamten Produkts leitfähig ist. Beste Bedienbarkeit auch in der Kälte verspricht Geschäftsführer Spanier, der die Details der Herstellung nicht verraten will, „das Produkt ist schließlich nicht schwer zu kopieren und wir wollen es so lang wie möglich allein verkaufen“. Es geht jedenfalls um Nylonverstärkungen im Wollgewebe.

Ohnehin ist die Spanne begrenzt, in der all diese neuen, coolen Handschuhe verkauft werden können: In der nächsten Handy-Generation wird sich die Sprachsteuerung endgültig durchgesetzt haben. Dann muss nicht mehr mit klammen Fingern oder Spezialwolle auf den Handschuhen auf Displays herumgewischt werden.

Und auch eine Idee aus Südkorea wird wieder im Mülleimer der Technikverirrungen verschwinden: Dort sind Würstchen der Renner als kältetauglicher Bedienstift für iPhone und Co. Die Computerzeitschrift Chip hat’s ausprobiert - mit Bifis, wie es sie in jedem Supermarkt gibt. Es klappt. Die fettigen Salamistangen leiten ebensogut wie ein menschlicher Finger. Stylische Tüchlein zur WurstfettEntfernung auf dem Display gibt es sicher auch bald.

Von Bettina Fraschke

Rubriklistenbild: © HNA-Fraschke

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