Ein Abend der Megahits: Die Flippers spielten ein letztes grandioses Konzert in der Kasseler Stadthalle

Ein tränenreicher Abschied

Stimmungsvoll: Agil wie zu ihren besten Zeiten traten Olaf Malolepski (von links), Manfred Durban und Bernd Hengst beim Kasseler Abschiedskonzert auf. Foto: Schoelzchen

Kassel. Für manchen ist das immer eine ganz schlimme Sache. Als sich die Beatles auflösten, Miles Davis starb oder die Gallagher-Brüder Oasis vor die Wand fuhren, brach für einige Fans die Welt zusammen. Wenn Musiker oder Bands zu einem Stück Heimat werden und einen über viele Jahre begleiten, ist das Ende ihrer Karriere immer eine traurige Angelegenheit. Und jetzt die Flippers.

Auch die drei Schlagertoreros aus der Discofox-Arena, die seit 44 Jahren banale Männerfantasien und abgedroschene Liebeserklärungen mit einem Sonnenstudio-gebräunten Konservensound in die Schallplatten- und CD-Regale sülzten, waren offensichtlich für viele Menschen eine Art Lebensbegleitung. Denn die Kasseler Stadthalle war bei ihrem Abschiedskonzert ausverkauft, und es wurden schon ein paar Tränchen verdrückt.

Zurecht, denn jede Medaille hat zwei Seiten. Trotz aller Kritik an dem hemmungslosen Hedonismus der Strahlemänner Manfred Durban, Bernd Hengst und Olaf Malolepski gelang den Flippers über Jahre beste Partymusik mit hohem Stimmungsfaktor. Und so wurde es ein Abend der Megahits. Dabei bedurfte es nur einer Geste oder eines Wortes, um das Publikum aus den Stühlen zu befördern.

Mit Glitzerjackets, selbstironischem Humor und einer Drei-Mann-Kapelle holte man alles aus dem Pokalschrank, was sich da im Laufe der Jahre so angesammelt hatte. Da schlug noch mal das „Herz aus Schokolade“, und bei „Die Sonne von Barbados“ stieg die Saaltemperatur merklich an.

Energisch wie immer

Die körperliche Verfassung des Trios dürfte keine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben, die musikalische Karriere künftig auf sich beruhen zu lassen. Die drei tänzelten über die Bühne wie zu ihren besten Zeiten und wirkten energisch und agil. Mit dem aktuellen „Du bist ein Fall für meine Träume“ konnten sie genauso punkten wie mit „Ay, Ay Herr Kapitän“, „Du bist mein Talisman“ oder „Wetten dass“.

Doch eigentlich verbreitete jeder Song Atmosphäre, und als die Flippers nach zwei Stunden und einer mitreißenden Abschiedsballade hinter dem Vorhang verschwanden, vermischten sich im Publikum Wehmut und Applaus zu einem ergreifenden Moment. Doch wer weiß, ob das wirklich das Ende war.

Von Andreas Köthe

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