Heute vor 100 Jahren starb der Maler Henri Rousseau, ein Vorbild der Surrealisten

Die Träume des Zöllners

Folgte unbeirrt seiner Bestimmung: Selbstporträt von Henri Rousseau (1890).

Als der Maler Henri Rousseau, der am 2. September 1910 in Paris an einer Blutvergiftung starb, zu Grabe getragen wurde, folgten gerade mal sieben Menschen seinem Sarg, unter ihnen der Dichter Guillaume Apollinaire.

Rousseau, ein Autodidakt, der von akademischen Konventionen nichts hielt, verkaufte zu Lebzeiten seine Bilder im Schreibwarenladen seiner Frau und beim Trödler. Junge Avantgardisten wie Pablo Picasso, Georges Braque und André Breton allerdings verehrten den „Zöllner“, „Le douanier“, wie sie den ehemaligen Schreiber bei einem Gerichtsvollzieher und Zollbeamten nannten.

Heute hängen Rousseaus Werke in den bedeutendsten Museen, eines seiner bekanntesten Gemälde, das in seinem Todesjahr entstandene „Der Traum“, ein Dschungeldickicht mit Löwen, Mond, Tierköpfen und einer nackten Frau auf einem Sofa etwa im Museum of Modern Art in New York.

Rousseau selbst glaubte unbeirrt an seine Bestimmung. Am 21. Mai 1844 als Sohn eines Klempners im nordfranzösischen Laval geboren, nutzte er seine freie Zeit stets zum Malen. Geld verdiente er auch als Musiklehrer. Als seine zweite Frau starb - auch von den neun Kindern mit der ersten Frau überlebte ihn nur eine Tochter - ließ er sich mit 49 Jahren pensionieren.

Unbekümmert von der Mode des Impressionismus brachte Rousseau seine Träume auf die Leinwand. Charakteristisch ist die Flächigkeit seiner Gemälde, auf die er einzelne Elemente - Menschen, Tiere, Pflanzen mit oft unzutreffenden Größenverhältnissen - wie bei einer Collage ausschnitt und übereinander legte. Rousseau malte Porträts ebenso wie Landschaftsaufnahmen: vor allem Bäume und Wald - und irgendwann entdeckte er den Dschungel als Motiv.

Allerdings bereiste er den Urwald nicht - Rousseau holte sich seine Inspiration aus dem Botanischen Garten, dem Naturkundemuseum und seiner umfangreichen Sammlung von Pflanzenblättern. Rousseau erlebte noch selbst, wie er mit seiner „naiven Kunst“ zum Wegbereiter der Surrealisten wurde. Das „Porträt einer Frau“ erwarb Picasso für fünf Francs - und behielt es bis zu seinem Tod 1973. (mit dpa)

Von Mark-Christian von Busse

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