Akkordeonkünstler Welf Kerner und Sängerin Claudia Riemann im Theaterstübchen

Sie trafen das Zauberwort

Das tat der Seele gut: Welf Kerner und Claudia Riemann im Theaterstübchen. Foto: Herzog

Kassel. „Lass uns mal zusammen was machen“, hatte die Sängerin Claudia Riemann dem Kasseler Akkordeonspieler und Komponisten Welf Kerner vor einiger Zeit vorgeschlagen. Das Ergebnis: „Neun Monate später kam unser Baby zur Welt“, berichtet Kerner.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Baby ist ein Programm voller Poesie, zeitloser Aktualität und Wärme und bringt „Lieder und Worte jenseits der Zeit“ zum Klingen. Worte von großen, bekannten und von großen, aber weniger bekannten Dichtern.

Im ausverkauften Theaterstübchen feierten die beiden am Donnerstagabend eine gelungene Premiere. Es war ein Abend, der der Seele guttat. Weil diese Gedichte, wie die beiden versichern, „Zauberworte“ enthalten.

Sei dennoch unverzagt

Das ist nicht zu viel versprochen. Wer sich auf die Kunst versteht, die großen Themen des Lebens - Liebe, Glauben, Trennung und Tod - in Sprache zu gießen, der hat etwas von einem Zauberer.

Goethe („Der Schatzgräber“) war so einer, Hermann Hesse („Immer hin und wieder“), Eichendorff („Schläft ein Lied in allen Dingen“), Theodor Storm („Für meine Söhne“) oder Paul Fleming (1609-1640), den die beiden zu ihrem Favoriten zählen. Von ihm nahmen sie auch den Titel ihres Programmes: „Sei dennoch unverzagt.“ Zahlreiche große Dichter kommen in diesem wunderbaren Programm zu Wort.

Das Besondere: Welf Kerner hat fast zu jedem Klassiker ein Lied geschrieben. Und das passt und leuchtet. Text und Musik verschmolzen, als seien sie sich schon lange vorher begegnet.

Kerner und Riemann bringen und singen die Gedichte mit Charisma, empathischer Milieufärbung und Gefühlstiefe. Kerner lässt dazu das Klavier oder das Akkordeon erklingen, Claudia Riemann ihre dunkelschöne Chanson-Stimme.

Fazit: Viel Applaus für ein Programm, das die zeitlose Kraft der Sprache so musisch zum Klingen bringt.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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