Schauspielschule und StadtTheater zeigen Einakter von Merimée

Starke Aktion: Der Beduine Zein (Till Herber), die schöne Sklavin Mojana (Tina Machulik) und der reiche maurische Händler Hadschi (Nima Siawosch Conradt). Foto: Malmus

Kassel. Die Liebe und das Verlangen danach brennen so manche Spuren in unsere Lebenswege. Manche davon enden tragisch. Es in dieser Färbung auf die Bühne zu bringen, ist eine Möglichkeit. Man kann das Thema aber auch leicht, ironisch und mit viel skurrilem Humor angehen.

Ein gutes Beispiel dafür lieferte die Inszenierung „Carmen im Blut“, die zwei Einakter des Carmen-Autors Prosper Merimée auf die Bühne bringt. Premiere war am Mittwoch im gut gefüllten Dock 4. Den Auftakt machte der Einakter „Afrikanische Liebe“ (Regie: Andrea Tralles). Um krankhaftes Liebesverlangen, das in einen tödlichen Streit ausartet, geht es hier.

Der Auslöser: die schöne Sklavin Mojana (Tina Machulik). Der cholerische Beduine Zein (Till Herber) ist besessen von ihr. Doch Mojana gehört Hadschi (Nima Siawosch Conradt), einem reichen maurischen Händler. Da auch Hadschi der geheimnisvollen Sklavin verfallen ist, kommt es zu einem tödlichen Duell.

Was so schwergewichtig klingt, kam wunderbar leicht und witzig rüber. Man spielte E-Gitarre und räkelte sich dabei auf einer Sonnenliege, ein Säbelduell wurde mit zwei Pistolen ausgetragen und begehrt wird eine Sklavin, die bei jedem Satz den Körper wie unter Stromschlägen aufzucken ließ.

Das zweite Stück „Himmel und Hölle“ (Regie: Peter Manteuffel) erlebte 1825 wegen seiner beißenden Satire auf die katholische Kirche seine Uraufführung. Die fromme, aber auch ziemlich leidenschaftliche Dona Urraca (Odilie Kennerknecht) kann den erotischen Verlockungen des Draufgängers Don Pablo (Till Herber) nicht widerstehen. Die regelmäßige Beichte bei „Fra Bartolomeo“ (Sebastian Rückert) deckt das auf. Doch auch der Geistliche ist körperlichen Genüssen ziemlich zugeneigt. Am Ende landet Don Pablo im Kerker, Donna Urraca ersticht ihren Beichtvater und bewahrt so ihren Geliebten vor der Hinrichtung.

Ein Bravo dieser Inszenierung, die mit Spannung, Witz und ironischem Charme glänzte und mit drei großartigen Darstellern fesselte. Ein Sonderlob für das stumme, in der Körpersprache aber äußerst beredte Dienstmädchen Lauretta (Lara Gesell), die Sängerin Christina Losada und für Milagros Fernandez, die mit ihren Flamenco-Künsten die glutvolle Atmosphäre einer spanischen Liebestragödie symbolisierte.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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