Langjähriger Dozent der Kasseler Musikakademie

Trauer um einen großen Musiker: Gitarrist Wolfgang Lendle starb mit 68

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Wolfgang Lendle (1948-2016).

Kassel. Mit großer Bestürzung ist in Kassel die Nachricht vom Tode des Gitarristen und langjährigen Dozenten der Kasseler Musikakademie Wolfgang Lendle aufgenommen worden.

Lendle starb am Dienstag völlig unerwartet im Alter von 68 Jahren an Herzversagen. Am Sonntag wollte er als Solist des Kasseler Sinfonieorchesters in der Friedenskirche Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ spielen.

Wolfgang Lendle wurde am 5. Januar 1948 in Ludwigsburg geboren und wuchs in Trier auf. In Saarbrücken studierte er klassische Gitarre bei Jirí Jirmal. Lendle nahm erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben teil, darunter dem Maria-Canals-Wettbewerb in Barcelona, dem ORTF-Wettbewerb in Paris und dem ARD-Wettbewerb in München. Auf Meisterkursen und durch Begegnungen mit bedeutenden Gitarristen wie Andrés Segovia und R. Sainz de la Maza empfing er wertvolle Anregungen.

Schon früh spielte Lendle Platten ein, seine Diskografie umfasst zahlreiche Aufnahmen spanischer und südamerikanischer Meister sowie eigene Bearbeitungen („Carmenfantasie“).

Aus seiner Ehe mit der aus Ecuador stammenden Sängerin Bertha Casares Cardenás de Lendle gingen zwei Töchter hervor, Gabriela und Catherina. Das Künstlerpaar trat immer wieder mit gemeinsamen musikalischen Projekten an die Öffentlichkeit.

Im Jahr 1985 wurde Wolfgang Lendle als Gitarrendozent an die Kasseler Musikakademie berufen. Ein wichtiger Schritt für ihn persönlich wie auch für das Institut, das zu einem wichtigen Zentrum in Deutschland für die Ausbildung klassischer Gitarristen wurde – und diesen Ruf durch die kurz darauf erfolgte Berufung Michael Trösters als Dozenten noch ausbaute.

Nach 28 äußerst erfolgreichen Jahren ging Lendle im März 2013 in den Ruhestand. Mit einem fulminanten Konzert hatte er sich kurz davor als Akademiedozent verabschiedet. Lendle, persönlich stets freundlich-zurückhaltend und bescheiden, strahlte eine große künstlerische Faszination aus. Sein Spiel vereinte hohe Virtuosität, klangliche Sensibilität und eine tiefe musikalische Durchdringung der Musik.

Als konzertierender Künstler sowie als Pädagoge (auch mit eigenen Meisterkursen) war er europaweit und darüber hinaus geschätzt. Zahlreiche Auftritte führten ihn nach Südamerika, speziell nach Ecuador. Auf internationalen Gitarrenfestivals war er regelmäßiger Gast, beim Festival im ungarischen Esztergom wirkte er zeitweise als künstlerischer Leiter.

Auch in der Region war Lendle stets als konzertierender Musiker präsent. Dass Lendle auch als Komponist und als Bearbeiter fremder Werke die Gitarrenliteratur bereicherte, ist vor allem in Fachkreisen bekannt. Lendle engagierte sich darüber hinaus unter anderem beim Gitarrenforum Kassel sowie beim Kasseler Konzertverein. Sein Tod ist ein großer Verlust für das Kasseler Musikleben.

Die Trauerfeier für Wolfgang Lendle findet am Gründonnerstag, 14 Uhr, in Ahnatal-Heckerhausen statt.

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