Roswitha Quadflieg las in Vellmar

Die Trauer hält an

Roswitha Quadflieg Foto: v. Dehn

Vellmar. Es war ihr Debütroman, der 1985 erschien und die Tochter des Schauspielers Will Quadflieg, Roswitha Quadflieg, Grafikerin und Inhaberin eines Buchkunstverlags, als Schriftstellerin bekannt machte. Erschüttert vom Unfalltod ihres nur anderthalb Jahre älteren Bruders, begann sie, durch das schriftliche Festhalten von Erfahrung und Beobachtung sich klar zu werden über das, was geschehen war, und was es bedeutete.

Nicht Trauerarbeit wollte sie leisten, sondern versuchen, „genauer zu denken“. Ausdrucksformen aus der bildenden Kunst schienen ihr dazu ungeeignet: „Dafür brauchte ich Sprache.“ Das Buch, in dem sie kühl und analytisch, mit zahlreichen Rückblenden, das Sterben ihres 33 Jahre alten Bruders beschreibt, wurde zum „Urknall“ ihrer Schriftstellerexistenz. Zwölf Bücher hat sie seither geschrieben.

Sensibel, unsentimental und äußerst diskret, was auch die komplexen Familienverhältnisse angeht, zeichnete sie auf, was sie an Lebensspuren ihres Bruders auffinden konnte. Spuren eines Außenseiters, der seinen Platz nicht gefunden hatte: „Er war einer Welt entkommen, die er nie verstanden hatte.“

Sie selbst, gesteht sie in der Vellmarer Stadtbibliothek, hat ihn durch die Recherche neu kennengelernt. Der schmale Band, der lange vergriffen war, ist jetzt wieder aufgelegt worden. Es erweist sich, dass die knappen Texte über die Zeit hinweg haltbar und noch aktuell sind. So, wie Roswitha Quadflieg es selbst auch einschätzt: „Bücher haben kein Verfallsdatum.“

Roswitha Quadflieg: Der Tod meines Bruders. Stroemfeld, 90 S., 14,80 Euro.

Von Claudia v. Dehn

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