Chopin-Abend in der Musikakademie

Traum und Albtraum

Michael Kravtchin Archivfoto:  nh

Kassel. „Es gibt nichts Traurigeres und Erbärmlicheres auf der Welt als diese Bauern, die nur beten, singen, arbeiten und die niemals denken.“ Wer dies schrieb? Der Satz stammt aus dem Reisebericht „Ein Winter auf Mallorca“ der französischen Schriftstellerin George Sand. Im Winter 1838/39 weilte sie mit dem lungenkranken Komponisten Frédéric Chopin auf der Mittelmeerinsel - ein unerfreulicher Aufenthalt.

Sands bissiger Sarkasmus war für viele die Entdeckung im voll besetzten Saal der Musikakademie. Ein literarisch-musikalischer Abend eröffnete dort eine kleine Chopin-Reihe, veranstaltet von der Gesellschaft der Freunde der Musikakademie. Den „Inselalbtraum“ (so der Titel) zeichnete eine Textcollage des Dozenten Markus Haas nach. . Das war aufschlussreich, auch wenn der Abend mit etwas mehr als zwei Stunden (mit Pause) zu gewisser Länge tendierte.

Briefe und Autobiografisches von Chopin und Sand lasen Haas und die Gastrezitatorin Tessie Tellmann, teils mit Klaviermusik unterlegt - für Fans purer Musik nicht unbedingt ein Plus. Auch gab es von Haas gesungene Chopin-Lieder. Die Höhepunkte bereitete Pianist Michael Kravtchin, der mit Delikatesse und Inspiration die Préludes op. 28 spielte. Die entstanden zum Großteil auf Mallorca - und sind ein Traum.

Heute, 20 Uhr, Musikakademie: Chopin-Klavierabend mit Iwan Urwalow (Sonate h-Moll).

Von Georg Pepl

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