Das Theater-Jugendorchester-Projekt begeisterte im Schauspielhaus mit „Tom Sawyer“

Ein Traum von Freiheit

Aufbruch: von links: Sofia Meißner (Huckleberry Finn), Alexandra Aykaeva (Tom Sawyer) und Elena Bohn (Joe Harper). Foto: Klinger

KASSEL. Die Welt ist ein Irrenhaus. Diesen Eindruck haben sensible Jugendliche, wenn sie aus dem roboterhaften Alltag ausbrechen wollen. Das 12. Theater-Jugendorchester-Projekt des Staatstheaters Kassel zeigt mit der Mark-Twain-Adaption „Tom Sawyer“ diesen Anpassungskonflikt auf ebenso zugespitzte wie unterhaltsame Weise.

So war es weit mehr als eine niedliche Lausbubengeschichte, was da bei der Premiere im nicht ganz vollen Schauspielhaus auf viel Begeisterung stieß. Für das musikalische Spiel von Jonathan Elkus hat das Team um Regisseur Philipp Rosendahl suggestive Bilder geschaffen. Die von Sibylle Pfeiffer gestaltete Bühne besteht aus einem Haus als Symbol einer engen, stickigen Welt.

Bizarre Bewegungen haben die Bewohner (Insassen?) dieser geschlossenen Gesellschaft zu bieten. Zum Beispiel das Zittern der nach oben gewendeten Handflächen – wohl ein Seitenhieb auf religiöse Ekstase. Nicht ganz geheuer sind die Erwachsenen Tante Polly und der Lehrer/Geistliche – profiliert verkörpert von Lona Culmer-Schellbach und Marc-Olivier Oetterli.

Neben den beiden Sängern des Opernensembles sind 70 Jugendliche beteiligt. Gemeinsam mit dem konzentriert spielenden Theater-Jugendorchester brilliert der Cantamus-Jugendchor des Staatstheaters. Als Dirigentin schmiedet Cantamus-Leiterin Maria Radzikhovskiy die Klangkörper zu einer bärenstarken Einheit zusammen.

Aus dem insgesamt toll klingenden Chor kommen auch die Solistinnen Alexandra Aykaeva (Tom Sawyer), Sofia Meißner (Huckleberry Finn) und Elena Bohn (Joe Harper), die als beherzte Außenseiterinnen ihren Traum von Freiheit träumen. Ganz reizend ist zudem die romantische Szene mit Tom und Becky (Fynn Rogall). Am Schluss Jubel und Ovationen für eine grandiose Leistung der jungen Sänger und Instrumentalisten.

Wieder am: 5., 7., 9. und 14. Juli, jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus. Kartentelefon: 0561-1094-222.

Von Georg Pepl

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