Neu im Kino: Die Dokumentation „Serengeti“ zeigt spektakuläre Tieraufnahmen - und blendet alles andere aus

Traum von der unberührten Natur

Naturwunder Serengeti: Millionen Tiere zählen die Herden der Gnus und Zebras bei der jährlichen großen Wanderschaft. Foto: Universum Film

Der Film „Serengeti“ wäre kaum möglich gewesen ohne seinen berühmten Vorläufer „Serengeti darf nicht sterben“. 1959 machte der Frankfurter Zoologe Bernhard Grzimek zusammen mit seinem (dabei tödlich verunglückten) Sohn Michael seine filmische Bestandsaufnahme der Tierwelt in der riesigen Steppenlandschaft im Grenzgebiet von Kenia und Tansania.

Und ohne diesen berühmt gewordenen Film und Grzimeks politisches Engagement wäre der umfassende Schutz eines der größten Naturreservate der Erde wohl kaum möglich geworden.

52 Jahre später geht der Kinofilm von Regisseur Reinhard Radke das Thema Serengeti völlig anders an: Keine Tierschutz-Appelle sind zu hören, keine Bilder von zerstörten Lebensräumen sind zu sehen. Nicht ein einziger Tourist stört den Eindruck unberührter Natur, ja, im ganzen Film ist kein menschliches Wesen zu sehen.

Dafür sind die Tieraufnahmen, die Radke mit seinem Team eingefangen hat, umso spektakulärer. Der Film folgt der großen Herdenwanderung, jenem unvergleichlichen Naturschauspiel, das sich jedes Jahr im Wechsel von Regen- und Trockenzeiten in dem Areal von der Größe Nordrhein-Westfalens vollzieht.

1,3 Millionen Gnus und 200 000 Zebras begeben sich auf die große Wanderung, und die Aufnahmen von diesen gewaltigen Herden sind atemberaubend. Natürlich muss auch ein Naturfilm Spannung erzeugen. Und dafür sorgen die Raubtiere, Löwen, Geparden und Krokodile. Für die Fleischfresser sind die vorbeiziehenden Herden, dazu Antilopen und Warzenschweine, die bevorzugte Nahrungsquelle.

Die Jagdszenen, oft in Super-Zeitlupe und in Großaufnahme gefilmt, sind in der Tat überwältigend: Krokodile, die wie Pfeile aus dem Fluss Mara schießen und sich in trinkende Gnus verbeißen - so aus scheinbar nächster Nähe hat man dieses grausame Schauspiel kaum je gesehen. Erstaunlicherweise gelingt es den Opfern oft, den Räubern zu entkommen.

Familienszenen von gestressten Gepardenmüttern, die ihren hungrigen Nachwuchs satt bekommen müssen, skurrile Großaufnahmen von unförmigen Nilpferden, die aus dem Wasser auftauchen, und immer wieder grandiose Landschaftsaufnahmen halten die Spannung hoch. Hardy Krüger jr. steuert als Stimme aus dem Off Informationen bei. Man erfährt viel über die Einflüsse der tansanischen Vulkane auf Klima und Bodenbeschaffenheit der Serengeti.

Andere wichtige Informationen werden den Zuschauern allerdings vorenthalten. Nicht einmal wird eine Karte gezeigt - wer die Wanderrouten der Tiere verfolgen will, muss sich anderswo informieren. Ob die Serengeti heute wie zu Grzimeks Zeiten immer noch gefährdet ist und wie sich der zunehmende Tourismus auswirkt - über all dies erfährt man ebenfalls nichts. .

Genre: Doku

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Werner Fritsch

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