Russisches Quartett in der Komödie

Traumhaft sicher

Kassel. Kammermusik in Kassel war, was die Räume angeht, nie unproblematisch. So machte die Ankündigung eines Konzerts an einem neuen Schauplatz neugierig. Die Komödie mit ihren 140 Plätzen ist in ihrer Größe und Intimität gut für kleine Konzerte geeignet, leider jedoch nicht, was die akustischen Bedingungen angeht. Der Stoff der Sitze schluckt viel zu viel und lässt kaum Nachklang zu.

Immerhin wurden die 60 Besucher am Montagabend für diese Widrigkeiten von einem hochprofessionellen Ensemble entschädigt. Das Filarmonica-Quartett (Valery Karchagin und Oxana Anissimova, Violine, Ilya Tarasenko, Viola, und Stanislav Ovchinnikov, Violoncello) aus der sibirischen Millionenstadt Nowosibirsk mit ihrem reichen Musikleben reist durch Europa und ist auf Einladung der Familie Urvalov zu Gast in Kassel. Ivan Urvalov am Klavier ergänzte das Streichquartett bei Werken von Mozart und Schumann.

Auch wenn der Salzburger Meister etwas abseits der Spielanlage der fünf Russen liegt, war schon hier und besonders im Andante des g-Moll-Klavierquartetts KV 478 die Fähigkeit zu traumhaft sicherem Zusammenspiel zu erleben. Ein wirkliches Erlebnis wurde Robert Schumanns Klavierquintett op. 44. Ein großes Werk ohnehin, doch unter den Fingern der fünf Musiker wurde es zu einem musikalischen Welttheater der Farben und Schattierungen. Auch hier war es der langsame Satz, der all dies auf den Punkt brachte, fahl der einleitende Marsch, leuchtend der Mittelteil. Eine kaum zu bändigende Musikalität sowie bei hoher technischer Vollkommenheit eine schlafwandlerische Sicherheit im Geben und Nehmen machten den Satz und das ganze Werk zu einem überaus anregenden Genuss.

Dem war nichts Ernstes mehr hinzuzufügen, und so überraschte das Quartett ohne den Pianisten mit zwei Zugaben: Variationen über den Ohrwurm „Milord“ von Edith Piaf und über „When I’m 64“ von den Beatles.

Von Johannes Mundry

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