Die Theatergruppe der Kulturinitiative Harleshausen spielte „Es war die Lerche“

Traumpaar in der Krise

Ehealltag bei den Mantagues: Romeo (Wieland Beinert) und Julia (Marina Filipova) haben sich am Frühstückstisch nicht mehr viel zu sagen. Foto: Fischer

Kassel. Romeo und Julia sind das wohl bekannteste Liebespaar der Literaturgeschichte und der Inbegriff der unerfüllten Liebe. Doch was wäre, wenn die beiden am Ende des Shakespeare-Dramas nicht gestorben wären? Einen erstaunlichen Einblick ins Eheleben der Montagues präsentierte die Theatergruppe der Kulturinitiative Harleshausen am Freitagabend. „Es war die Lerche“ heißt das Stück von Ephraim Kishon, das die Literaturgeschichte neu schreibt.

29 Jahre nach der Hochzeitsnacht ist von der einstigen Romantik nicht viel geblieben. Romeo hat mächtig zugenommen, und seine Liebe gilt inzwischen einer rosa Wärmflasche. Julia hasst ihr tristes Leben als Hausfrau und motzt ihren Ehemann kontinuierlich an („Du bist ein Abfallprodukt der Menschheit“). Und dann wären da noch die finanziellen Sorgen, die das Paar plagen.

Aber Romeo hat einen Plan: Mithilfe der senilen Amme will er seine Schwiegermutter ins Jenseits befördern und so zu Reichtum kommen. Auch Julia ist nicht untätig. Sie weint sich beim ebenso alten wie trotteligen Pater Lorenzo aus und schmiedet ebenfalls Mordpläne. Als dann auch noch die 14-jährige Tochter Lucretia (Marlene Horn) mit William Shakespeare (Hannes Hartmann) höchstpersönlich durchbrennen will, scheint die Situation zu eskalieren.

Wieland Beinert gibt einen wunderbar schrulligen Romeo, der vor Energie nur so sprüht. Marina Filipova kann da als Julia perfekt mithalten. Ihre Wutanfälle sind grandios gespielt. Wunderbar sind auch die Auftritte von Edith Emer und André Koch, die als schwerhörige Amme und dementer Pater immer wieder Zwischenapplaus ernten. Die schwierigste Rolle hat aber ohne Zweifel Hannes Hartmann, der als einziger Schauspieler in Shakespeares antiquierter Sprache agieren muss, aber in jeder Szene überzeugt.

Es ist eine erstaunliche Leistung, die das Ensemble unter der Leitung von Lieselotte Horn auf die Beine gestellt hat. Denn die Theatergruppe gibt es in dieser Form erst seit vergangenem Sommer. Bei den 120 Zuschauern im Saal des Harleshäuser Gemeindezentrums kam der unterhaltsame Blick auf eine nicht ganz alltägliche Ehe gut an. Langer Beifall für eine gelungene Premiere. Nächste Termine: Freitag, 7. Mai, und Samstag, 8. Mai, jeweils ab 19.30 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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