Das New Yorker Quartet Collective im Foto-Motel

Trialog im Hof

Spontan kreativ: Ursel Schlicht (von links), Abraham Gomez-Delgado, Taylor Ho Bynum, Melanie Maar, Rachel Bernsen. Foto: Schmidt

Kassel. Was für ein Kleinod: Ein milder Sommerabend, das faszinierende Ambiente des Hofes von Elfi und Pitze Eckarts Foto-Motel und ein hochkompetentes Quartett, welches mit Gastgeberin Ursel Schlicht für eine kleine, begeisterte Zuschauerschar diesen Ort aufs Originellste bespielt.

Nachdem Taylor Ho Bynum, Trompeter von internationalem Format, auf einer Leiter das Eröffnungssignal gegeben hat, beginnt in der Guckkastenbühne einer Garage eine beeindruckende Performance. Aus statischen Figuren entwickeln die Tänzerinnen Rachel Bernsen und Melanie Maar eine artistische wie heitere Eroberung des Raums. Rhythmische Geräuschstrukturen werden mit Schuhen aus dem Boden geschabt oder mit Fingern aus einem Metalltor geschrappt, dazu liefert Abraham Gomez-Delgado als perfektes Ein-Mann-Orchester flächige Soundtexturen. Über Fußpedalen wird ein eigenwilliges Sortiment Percussion-Instrumente angesteuert, dazu gesellen sich eine E-Gitarre und volltönende Vokallinien.

Im zweiten Teil entspinnt sich vor Schlichts Studioraum ein Trialog über 50 Meter Hof. Motiv und Rhythmusfetzen des Flügels flirren durch die Luft und werden vom Schlagzeug aufgenommen, im Mittelpunkt stehen aber die strahlenden Trompeten-Eskapaden von Taylor Ho Bynum.

Auch beim Schlussbild besticht der spontan-kreative Umgang mit Raum und Materialien, der eine Vielfalt von Bildern erzeugt. Der vehemente Einsatz eines Fasses als dumpf grollendes Rhythmusinstrument wird von Sirenen eines vorbeibrausenden Feuerwehrlöschzugs überhöht, doch dann klingt die Improvisation poetisch mit einem wunderschönen südamerikanischen Cancion aus. Es ist toll, welch spannende Begegnungen Sonic Exchange ermöglicht. Man sollte sie sich nicht entgehen lassen.

Von Hartmut Schmidt

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