Trickreich 15: Da bellen ja die Hühner

Szenen aus „Trickreich 15“: Filmstills der Trickfilmklasse aus „Woe is me“ von Alma W. Bär (links) und „Eddy ist ein Champion“ von Daniel v. Bothmer. Foto:  Trickfilmklasse/nh

Kassel. Die Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel stellt an drei Abenden im Bali-Kino ihre jüngsten Produktionen vor.

Sollten am späten Mittwochabend Banker im vollen Bali-Kino gewesen sein, dürften sie nicht gerade frohgemut nach Hause gegangen sein. Für alle anderen Besucher der alljährlichen Präsentation der Trickfilmklasse der Kunsthochschule, die sich für Tickets wie in den Vorjahren in eine lange Schlange einreihen mussten, war die gute Stunde „Trickreich 15“ ein Vergnügen.

Der Kasseler Dienstleister für Finanzierung und Bausparen Hypoxx AG hatte die Trickfilm-Studierenden zum Wettbewerb mit dem Thema David gegen Goliath eingeladen. Zehn Filme wurden eingereicht, viele spitzten das Thema zu: der arglose Kunde, die böse Bank. Eine Auswahl wurde im Programm vorgestellt. Auch die Beiträge der Preisträger Florian Maubach, Felix Kramer und Olga Gewer.

Lassen Sie sich nicht einschüchtern - so lautete ein Ratschlag in diesen Kurzclips. Von Befangenheit oder Zurückhaltung kann bei den Studierenden keine Rede sein. Die fast 20 Filme waren abwechselnd klaustrophobisch, kurios, kunstvoll und krass, witzig, poetisch und direkt. Wie die gezeichneten Figuren von Alma W. Bär („Woe is me“) und Alexander Zenker („Sei ehrlich“) verletzt, brutal geschlagen und allein gelassen werden, war schmerzhaft zu sehen, Daniel von Bothmers „alberne Geschichte“ und sein „Eddy ist ein Champion“ dagegen sind so irrwitzig-abstrus, dass sie Lachsalven auslösten. Robert Martinovic fing in „30“ wie im Zeitraffer das Lebensgefühl der Familiengründung - Heirat, erstes Kind - ein.

Dann gab es thematische Fingerübungen und Gruppenarbeiten - zum Beispiel gemeinsam mit Studierenden aus Madagaskar. Die „Huhnde“-Serie stellte Hühner vor, die wie Vierbeiner gehalten und behandelt werden - sie hecheln, rekeln sich auf Sofas, fangen Frisbeescheiben.

Auffällig bei aller Vielfalt von klassischer Stop-Motion-Technik über Puppentrick und Computeranimation war der sorgfältige, präzise Umgang mit dem Sound, mit Tönen und Klängen aller Art.

Nur ausgerechnet den einzigen Abschlussfilm, Dennis Stein-Schomburgs „The Old Man and the Bird“, gab’s bloß als Trailer, seine Premiere ist, wie berichtet, der Berlinale vorbehalten. Und das wiederum ist ein großer Erfolg für die Kasseler Trickfilmer. Professor Thomas Meyer-Hermann, der mit seiner Kollegin Prof. Martina Bramkamp das Publikum begrüßte, berichtete, Stein-Schomburg „bleibt uns erhalten an der Kunsthochschule“ - als künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Nachfolge von Martin Schmidt. Das Trio auf der Bühne komplettierte der Londoner Dozent Matt Abbiss, der in diesem Semester ein Blockseminar gab.

Wiederholung von „Trickreich 15“ Donnerstag und Freitag, 22.15 Uhr, Bali-Kino.

Mehr auf www.trickfilmkassel.de.

Die Siegerfilme des Hypoxx-AG-Wettbewerbs sind auf www.hypoxx.de/kurzfilmwettbewerb2014 zu sehen.

Von Mark-Christian von Busse

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