Vom Kleinkriminellen zum Superstar

Trotz Radio-Boykott: Capital Bra ist erfolgreicher als die Beatles, Abba und Queen

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Vom Radio boykottiert, von vielen Jugendlichen verehrt: Der Berliner Rapper Capital Bra ist aktuell der erfolgreichste Künstler in Deutschland.

Er ist erfolgreicher als die Beatles, Abba und Queen – doch trotzdem konnten die meisten Menschen bis vor Kurzem mit dem Namen Capital Bra nicht sonderlich viel anfangen.

Das hat auch damit zu tun, dass die Radiosender die Musik des Berliner Rappers mit ukrainisch-sibirischen Wurzeln boykottieren. Seine Songs werden trotzdem millionenfach geklickt, für viele Jugendliche ist der 24-Jährige, der stets mit Gucci-Cap und Bauchtasche auftritt, der Star der Stunde.

Der Release des aktuellen Albums „CB6“ des Rappers, der eigentlich Vladislav Balovatsky heißt, musste vorgezogen werden, da das Album geleakt wurde. So verfehlte es auch Platz eins der Charts, den Capital Bra seit Wochen für sich beansprucht – zumindest bei den Singles: Zwölf Nummer-eins-Hits konnte der Rapper dort bereits platzieren. Dazu zählt auch seine aktuelle Cover-Version des Modern-Talking-Hits „Cherry Lady“.

Wenn Eltern mitbekommen, dass ihre Kinder Capital Bra hören, fallen sie häufig vom Glauben ab. Die Texte des Berliner Rappers bieten viel Zündstoff für kontroverse Diskussionen über den Jugendschutz. Denn der Rapper versucht gar nicht erst, seine Vorliebe für diverse Betäubungsmittel zu verheimlichen, sondern prahlt in seinen Songs mit ausgiebigem Drogenkonsum und Party-Lifestyle.

Kiffen scheint bei Capital Bra Standard zu sein, wenn man seinen Texten Glauben schenkt – Kokain, codeinhaltiger Hustensaft und das opioidhaltige Schmerzmittel Tilidin gehören ebenso dazu. Menschen aus dem Umfeld des Rappers beschreiben ihn als „drogensüchtiges Nervenbündel“.

Der Stil des Rappers ist schnell erzählt – denn seine Kunst funktioniert nach dem Prinzip des absoluten Minimalismus. Karibische Beats, dazu Texte, die nach dem immer gleichen Muster aufgebaut sind: Eine Aneinanderreihung von Markennamen, Luxuskarossen, erfolgreichen Fußballern (denn die sind noch reicher als Rapper), und eben Drogenkonsum.

Ein sorgenfreies Leben nach dem Lustprinzip. Doch darin liegt die Gefahr für junge Hörer: Ihnen wird ein völlig realitätsferner Lebensentwurf präsentiert, nach dem Motto: „Vergiss, was Eltern, Lehrer und alle anderen Opfer sagen, mach dein Ding“. Wenn man sich aber näher mit Capital Bra auseinandersetzt, wird schnell deutlich, dass das Leben des Rappers – „Bra“ steht für „Brat“, russisch für Bruder – keinesfalls nur aus Party besteht.

Geboren wird er 1994 in Sibirien. Später zieht die Familie in die Ukraine, nach einigen Jahren geht es nach Berlin. Es folgt der Weg ins kleinkriminelle Milieu, nach der neunten Klasse bricht er die Schule ab. Durch Rap-Battles in der Berliner Untergrund-Szene kann sich der leidenschaftliche Fußballspieler schnell einen Namen machen. Ein Beitrag auf einem Sampler der 187-Straßenbande bringt den Durchbruch. Seither haut Capital Bra einen Song nach dem anderen raus – seine Nächte verbringt er also doch offenbar mehr im Studio als in Clubs.

Sein neues Album „CB6“ ist kein musikalisches Meisterwerk, eher eine Bestandsaufnahme des so angesagten Cloud-Raps, der seinen Höhepunkt erreicht zu haben scheint. Denn selbst ein Meister dieser Klasse – wie es Capital Bra unbestritten ist – kann dem Genre nichts Neues mehr hinzufügen.

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