Bernd Begemann erfüllte im K 19 jeden Wunsch

Truppenbetreuung des Indie-Rock

Ganz großer Auftritt: Bernd Begemann will von Kassel nur Parkplätze und billiges Bier. Foto: Schachtschneider

Kassel. Punk im Anzug, Liedermacher, Indie-Rocker, Entertainer, Schlagerinterpret: All das ist Bernd Begemann, manchmal nacheinander, manchmal gleichzeitig. Bei seinem Auftritt am Samstag im K 19 bot er das volle Programm.

Mit knapp 40 Gästen war das Konzert überraschend schlecht besucht, aber diese Handvoll Fans wurde für Anwesenheit und engagierte chorische Begleitung mit einem leidenschaftlichen und witzigen Konzert belohnt. Was den Abend abgesehen von der Musik (meistens nur der Sänger und seine E-Gitarre) zum Ereignis machte, war die Moderation. Viele Songs spielte Begemann ganz straight und unironisch, vor allem seine Liebeslieder, die so wunderbare Zeilen bereithalten wie: „Ich habe nichts erreicht außer dir, bitte bleib bei mir, denn das Beste an mir sind wir.“ Oft aber unterbrach er sich immer wieder selbst, kommentierte und assoziierte, besonders ausufernd bei „Fernsehn mit deiner Schwester“, das er im Duett mit der Support-Musikerin Dorit Jakobs sang und durch eingestreute TV-Serien-Melodien und launige Zwischenbemerkungen auf 20 Minuten dehnte.

Im Laufe der gut zwei Stunden wurde jeder, aber auch wirklich jeder vom Publikum vorgebrachte Musikwunsch erfüllt, sei es „St. Pauli“ für exilierte Hamburger, „die in Kassel was vermissen, so als Indie-Rock-Truppenbetreuung“, oder „Judith, mach deinen Abschluss“, obwohl der Song inzwischen zu „BWLer-Party-Musik“ verkommen sei.

„Firmenphilosophie“, ein „freches kommunistisches Lied, aber nicht schlimm“, bot Anlass zur Reflexion über heutige Arbeitsverhältnisse, bei der man „eklige Urlaubsfotos des Chefs, den man Freund nennen muss, bei Facebook liken soll ... Ich wünsche mir die Zeit zurück, als man unterdrückt wurde und das nicht selber tun musste.“

Alles in allem: ein ganz großer Auftritt. Wer weiß, vielleicht wird aus der an diesem Abend geborenen Zeile „Kassel, ich hab nie was anderes gewollt von dir als Parkplätze und billiges Bier“ irgendwann noch mal ein eigener Song.

Von Fabian Fröhlich

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