Kinotrailer und Filmkritik

"12 Years a Slave": Berührendes Meisterwerk

Viele Szenen sind brutal und kaum zu ertragen, doch „12 Years a Slave“ ist ein Muss für Filmliebhaber. Der Trailer zum Film und unsere Kinokritik:

So schonungslos und zugleich menschlich berührend ist das düstere Kapitel der amerikanischen Sklaverei noch nicht auf die Leinwand gebannt worden. „12 Years a Slave“ ist kein Hollywood-Produkt. Der britische Künstler und Regisseur Steve McQueen und sein ebenfalls in London geborener Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor schildern eine wahre Geschichte. Es ist das tragische Schicksal des schwarzen Amerikaners Solomon Northup, der als freier Mann mit seiner Familie im US-Staat New York lebt, bis er 1841 in den Süden des Landes verschleppt und dort versklavt wird.

Es ist ganz anders als der Sklaven-Western „Django Unchained“, in dem Quentin Tarantino mit knallharter Brutalität, aber unglaublich schrill mit der dunklen US-Vergangenheit abrechnet. Erlösende Lacheffekte gibt es in „12 Years a Slave“ nicht. Es wird nichts beschönigt - etwa wenn die Peitsche den Rücken einer jungen Schwarzen zerfetzt. Wenn sich Männer und Frauen nackt zum Kauf vor Gutsbesitzern aufstellen müssen. Wenn sie nachts aus dem Schlaf gerissen werden, um auf Befehl der weißen Herrin Tanzmusik zu spielen.

Zwölf Jahre lang muss Northup auf Zuckerrohr- und Baumwollplantangen im heißen Louisiana die Willkür und Brutalität seiner Besitzer erdulden. Sein Leidensweg beginnt, als der Musiker und dreifache Vater von Betrügern in eine Falle gelockt wird. Er wacht in Ketten auf. Sein Protest, er sei ein freier Mann, wird von den Sklaventreibern mit Schlägen erstickt. Die anfängliche Ungläubigkeit über den Verlust seiner Freiheit verwandelt sich schnell in kaum erträglichen Horror. In einer Oscar-reifen Darbietung wird Ejiofor (36) in seiner ersten großen Kino-Hauptrolle zu dem belesenen Sklaven, der mit ungebrochener Würde die Hoffnung nicht verliert.

Grundlage für den Film sind seine gleichnamigen Memoiren, die Northup 1853 veröffentlichte. Seine Frau habe das wenig bekannte Buch aufgespürt, sagte McQueen vor dem US-Kinostart von „12 Years a Slave“ der „Los Angeles Times“. Der schwarze Regisseur vergleicht die Aufzeichnungen des Sklaven mit dem Tagebuch der Anne Frank. „Genauso fesselnd und eine Alarmglocke, ein Schlachtruf, dass so etwas nie wieder passieren darf.“

Schon McQueens erste beiden Spielfilme drehten sich um Männer in Zwangslagen. In dem RAF-Drama „Hunger“ geht es um einen in den Hungerstreik getretenen Häftling. „Shame“ handelt von einem Sexsüchtigen, der unfähig ist, soziale Bindungen einzugehen. In beiden Filmen spielte Michael Fassbender die Hauptrolle. In „12 Years a Slave“ verwandelt sich der irisch-deutsche Schauspieler in einen sadistischem Gutsbesitzer, der von einer jungen Sklavin besessen ist. Er ist selbst tief gespalten und wird von Schuldgefühlen gequält. Fassbender brilliert auf dieser Gratwanderung.

Zu der Starbesetzung gehören auch Benedict Cumberbatch als Plantagenbesitzer mit Anflügen von Mitgefühl für seine Sklaven, Paul Dano als kaltblütiger Aufseher und Paul Giamatti als profitsüchtiger Sklavenhändler. Brad Pitt hat eine kleine Rolle als Arbeiter aus Kanada und Anhänger der Sklavenbefreiung. Wichtiger ist sein Part als Produzent des Film. Der Hollywoodstar zählt das berührende Drama zu seinen wichtigsten Filmen.

Für knapp 20 Millionen Dollar wurde „12 Years a Slave“ als Independent-Film vergleichsweise preiswert produziert. Gedreht wurde auf alten Landgütern und in den schwülen Sümpfen von Louisiana. Die Kamera fängt auch die verwunschene Schönheit der Südstaaten ein, doch dann schwenkt sie plötzlich auf einen Baum, an dem weggelaufene Sklaven aufgehängt werden. Der Oscar-prämierte deutsche Filmkomponist Hans Zimmer untermalt das Grauen.

Viele Filmkritiker preisen „12 Years a Slave“ als das beste Werk des Jahres. Schon im September gewann das Drama den Spitzenpreis beim Filmfest in Toronto. Im Dezember folgten sieben Golden-Globe- Nominierungen, in der Nacht zum Montag gab es den Haupt-Globe für das beste Filmdrama. McQueen wird auch bei den Oscars im März als sicherer Kandidat gehandelt. Als Gewinner würde er Oscar-Geschichte schreiben. Bis jetzt hat noch kein Schwarzer die Regie-Trophäe bekommen. Es gab auch noch keinen Sieger in der Sparte „Bester Film“, der von einem schwarzen Regisseur inszeniert wurde. „12 Years a Slave“ hätte beide Trophäen verdient.

dpa

Rubriklistenbild: © Francois Duhamel/Tobis Film

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