Schwarzer Verdächtiger

"Aktenzeichen XY": Rassismus-Debatte um Beitrag

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Nach diesem Mann, der eine Frau in Dortmund vergewaltigt haben soll, fahndet "Aktenzeichen XY... ungelöst".

Mainz/Dortmund - Weil er schwarz ist, wollte die Redaktion von „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ einen Beitrag über einen mutmaßlichen Vergewaltiger nicht senden. Jetzt vollzog das ZDF jedoch eine Kehrtwende.

Die Macher der TV-Fahndungssendung hatten ursprünglich Bedenken, der Bericht könne Vorurteile gegenüber Ausländern schüren. Deshalb wollte die Produktionsfirma Securitel ihn auf Ende des Jahres oder Anfang 2016 verschieben. „Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient", hatte Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann die Entscheidung gegenüber den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" am Freitag begründet. Damit spielte sie auf die Online-Hetze gegen Flüchtlinge sowie die Anschläge auf Asylantenheime an. 

Die Polizei hatte sich über die ursprünglich geplante Verschiebung des Beitrags enttäuscht gezeigt. Die Ermittlungen hätten aus ihrer Sicht nicht weitergetrieben werden können. "Erst wenn alle klassischen Ermittlungsmethoden ausgeschöpft sind, greifen wir zum Mittel der Öffentlichkeitsfahndung. Daher finden wir es sehr bedauerlich, dass die weitere Aufklärung des Falles nicht möglich erscheint", zitierte "Der Westen" Polizeisprecher Oliver Peiler. Den Fahndungsaufruf mit Fotos des Verdächtigen von einer Überwachungskamera in einer S-Bahn halten die Beamten für gerechtfertigt. Der Mann war von Zeugen identifiziert worden.

ZDF überlegt es sich anders

Jetzt teilte das ZDF in Mainz jedoch mit, der Fall, der sich im März 2014 in Dortmund ereignet hatte, werde wie ursprünglich geplant am 2. September in der Sendung vorkommen. „Die Hautfarbe oder andere Persönlichkeitsmerkmale eines mutmaßlichen Täters spielen dabei keine Rolle.“

Ein Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) erklärte: „Das war die richtige Entscheidung. Journalisten dürfen sich nicht von einem gesellschaftlichen Mainstream leiten lassen.“

Der Deutsche Presserat gibt zumindest Print-Journalisten in diesem Kontext eine Linie vor. „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte“, heißt es im Kodex. Diese Abwägung gehört zum journalistischen Alltag. Doch dass ein Thema wegen möglicher Diskriminierung ganz wegfällt, ist ungewöhnlich.

dpa/hn

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