Im falschen Körper

„Alle Farben des Lebens“: Verpufft

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Kinostart - "Alle Farben des Lebens"

München - „Alle Farben des Lebens“ scheitert an der Harmonie der Hauptfiguren. Alltagsprobleme werden konsequent ausgeblendet, obwohl sie eigentlich thematisiert werden müssten.

Gibt es ein richtiges Leben im falschen Körper? Dank der Serie „Transparent“ oder Filmen wie „The danish Girl“ ist das Thema Transsexualität in der Gesellschaft angekommen. Gaby Dellals „Alle Farben der Welt“ wirkt im Vergleich dazu ein wenig brav. Schon wegen seines konsequenten Ausblendens der meisten Alltagsprobleme, die ein 17-jähriges Mädchen in dieser Situation haben dürfte. Ramona (Elle Fanning) nennt sich Ray und will kein Mädchen mehr sein. Sie fühlt sich eingesperrt im weiblichen Körper, ihr größter Wunsch ist eine geschlechtsangleichende Behandlung. Was das allein im Schulleben an Komplikationen mit sich bringt, kann sich jeder ausmalen.

Die britische Regisseurin Dellal streift diesen Aspekt zu kurz und konzentriert sich stark auf die Familienkonstellation. Ray lebt mit Single-Mutter (Naomi Watts), der lesbischen Oma (Susan Sarandon) und deren Lebensgefährtin (Linda Emond) in einem New Yorker Stadthaus. Das weltoffene, wohlhabende, fast märchenhafte Bohème-Ambiente ist wunderschön anzusehen. Doch es beraubt den gut gemeinten Film in vielen Szenen seiner Glaubwürdigkeit und wirkt oft konstruiert. Ray benötigt für die Operation die Unterschrift beider Elternteile. Auch die ihres Vaters, den sie gar nicht kennt. Daher macht sie sich auf, ihn aufzustöbern. Auch der ist ein zwar anfangs verschreckter, schließlich aber verständnisvoller, aufgeschlossener Gutmensch.

„Alle Farben des Lebens“ versteht sich als warmherziges, ernsthaftes, gelegentlich sanft aufgelockertes Plädoyer für Toleranz. Die Darsteller überzeugen. Besonders Fanning spielt beeindruckend zart und knallhart zugleich. Sarandon darf als schlagfertige Großmutter für die humorigen Momente sorgen. Die gravierenden Konflikte lösen sich dagegen in dieser grundentspannten Künstlerwelt allzu schnell in Wohlgefallen auf, was das ganze Anliegen seltsam verpuffen lässt. Der Film will spürbar Überzeugungsarbeit leisten – doch bei seinen Charakteren ist das gar nicht notwendig. Die sind unglücklicherweise ohnehin alle einer Meinung.

„Alle Farben des Lebens“

mit Elle Fanning, Naomi Watts

Regie: Gaby Dellal

Laufzeit: 93 Minuten

Sehenswert 

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