Heute letzte Sendung

Analyse zu Jauchs ARD-Talk: Er war der falsche Mann

Moderiert am Sonntag zum letzten Mal seinen ARD-Talk: Günther Jauch (59). Foto: dpa

Im Internet konnte man gerade noch einmal sehen, warum Günther Jauch (59) kein guter Talk-Moderator ist. Der Blog Übermedien hat einige Szenen aus seinem ARD-Talk zusammengeschnitten.

Die zwei Minuten sind überschrieben mit: „Nicht alle Durcheinander.“ Und dann reden die Bosbachs, Kippings und Stoibers neben dem hilflosen Moderator natürlich doch durcheinander.

Die erste gute Nachricht ist, dass am Sonntag (21.45 Uhr) wohl niemand durcheinander reden wird. Mit Finanzminister Wolfgang Schäuble gibt es in der Sendung mit dem Titel „Am Ende eines Krisenjahres“ nur einen Gast. Die zweite gute Nachricht ist, dass es Jauchs 157. und letzter Talk ist. Damit endet ein großes Missverständnis für Jauch, die ARD und vor allem die Zuschauer.

Schon 2007 wollte die ARD den Alleskönner verpflichten. Damals sagte der Umworbene noch ab. Zwei Jahre später kritisierte Jauch in einem Interview die anderen Talkmaster: „Ich sitze oft vor dem Fernseher und denke: Jetzt hat sie oder er den Politiker! Der Ball liegt vor dem leeren Tor, man muss ihn nur noch reinschieben. Aber die Kollegen stoppen den Ball und laufen mit ihm in die andere Richtung.“

Als Jauch 2011 dann selbst antrat, sah es im Berliner Gasometer oft aus, als würden sich zwei Mannschaften den Ball 60 Minuten lang im Mittelfeld hin- und herschieben. Jauch hakte selten nach, schien bisweilen nicht mal zuzuhören. Einmal ließ er sich von einem Berliner Quassel-Imam in Grund und Boden reden. Und wenn doch etwas Überraschendes passierte wie zuletzt, als der AfD-Politiker Björn Höcke krude Thesen über Flüchtlinger aufstellte, mussten Gäste wie Anja Reschke die Moderation übernehmen. Zudem führte Jauchs Verpflichtung zur Talk-Schwemme: Jeden Abend wurden in einer anderen Sendung dieselben Gäste zu den gleichen Themen befragt.

Selbst ARD-Gremienvertreter kritisierten ihren Star in einem Papier scharf, weil er „Konflikten aus dem Weg“ gehe. Und Kollege Frank Plasberg („Hart aber fair“), der selbst gern auf dem Sonntagabend-Thron gesessen hätte, lästerte: „Du kannst nicht der gefühlte Bundespräsident sein und ein kantiger erster Journalist.“ Jauch ist unschlagbar, wenn es menschelt. Für einen Polit-Talk war er der Falsche und zudem viel zu teuer.

10,5 Millionen Euro überwies die ARD Jauchs Produktionsfirma 1 & U Jahr für Jahr. Pro Sendeminute verdiente der Moderator fast 5000 Euro. Jauch wird nun weiter für RTL Fragen bei „Wer wird Millionär?“ stellen. Seine Nachfolgerin Anne Will, die schon seine Vorgängerin war, beginnt am 17. Januar. Bis dahin herrscht am Sonntagabend Schweigen. Das sollte uns allen guttun.

Fakten zu Jauch

Die erste Sendung: Moderierte Günther Jauch am 11. September 2011 zum Thema „Zehn Jahre 11. September - War es richtig, in den Krieg zu ziehen?“. Gast Peter Struck (SPD) lobte am Ende Jauch: „Ich finde, Sie haben das sehr gut gemacht.“

Die beste Quote: Nach dem TV-Duell am 1. September 2013 zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück schalteten 8,25 Millionen Zuschauer ein (Marktanteil: 30,2 Prozent). Jauchs Gesamtdurchschnitt seit 2011 liegt bei 4,62 Millionen Zuschauern (16,2 Prozent) und damit deutlich über dem Senderschnitt.

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