Glosse: Das Sixpack von Alex ist "knallharte Realität"

"Bachelorette"-Finale: Glück kann so erniedrigend sein

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Hat ihre letzte Rose vergeben: die Bachelorette Nadine Klein.

Mehr als zwei Millionen Menschen schalteten das Finale von "Die Bachelorette" ein. Unser Autor hat die RTL-Show zum ersten Mal geschaut. Es war eine sehr schmerzhafte Erfahrung.

Eine Frage: Was stört die Menschen an „Bachelorette“? Also diejenigen Menschen, die nicht zu den zwei Millionen Zuschauern gehören. Die das Format sogar verurteilen. 

Ist es der Trash? 18 Jahre nach dem ersten Mal „Big Brother"? Also bitte. Ist es das Unechte, das Arrangierte? In Tinder-Zeiten? Heuchler!

Man schaltet also ein. Und man sieht Nadine, Bachelorette, sitzend, den perfekten Cappuccino in den Händen, die Last der nahenden Entscheidung auf den Schultern. Wird es Alex? Wird es Daniel? Man denkt an die eigene Kaffeemaschine, die seit Wochen entkalkt werden muss.

Auftritt Nadines Mutter. Kandidat Alex kommt dazu, schenkt der Mutter Ouzo. Man hat plötzlich Lust auf ein Getränk, geht zum Kühlschrank, sieht den Wein vom Discounter. Wird schon funktionieren. Funktioniert.

Dieses Video stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex.

Keine Schmetterlinge in Sicht

Die Mutter geht. Nadine und Alex sind sich nahe, stehend, im Rücken das Meer, türkis, überall Buchten, malerisch, weiße Fassaden griechischer Dörfer. Tolle Farben, tolles Licht. Man schaut aus dem Fenster, Kasseler Nordstadtgemäuer, schaut zur Decke, wo Drähte hängen. Wo eine Glühbirne sein sollte. Seit Monaten. Nadine sagt, dass sie etwas im Bauch hat. Schmetterlinge. Man freut sich für sie, noch, und legt einen Deckel aufs Glas. Fruchtfliegen.

Später am Tag. Auftritt Nadine, Auftritt Kandidat Daniel. Volles Haar, braun gebrannt. Beide. Das schmerzt. Sie besuchen die Mutter und Daniel sagt, dass er mit Nadine über „intellektuell hochwertige Themen“ reden kann. Man fühlt sich minderwertig. Blöde Glühbirne, blöde Fruchtfliegen. Auf der Weinflasche steht „Qualitätswein“. Immerhin.

Im Hotelzimmer. Daniel zu Nadine: „Es war extrem wichtig, dass ich heute noch mal meine Emotionen anspreche.“ Guter Satz. Man will auch über Gefühle sprechen, ist aber alleine. Es wird kalt in der Wohnung.

Die eigene knallharte Realität

Das Finale. Nadine sagt, dass die Traumstrände bald nicht mehr da sein werden, sondern nur „knallharte Realität“. Alex zieht sich auf seinem Zimmer ein weißes Hemd an, darunter trägt er Sixpack. Man schaut an sich hinab und die eigene knallharte Realität ist grauer Kapuzenpulli. Darunter Bauch.

Die Entscheidung. Roter Teppich, grüner Garten. Nadine im Abendkleid, rote Rose in der Hand, da ist sie, die Rose, und man gießt noch mal den vertrockneten Kaktus am Fenster. Nadine hält abwechselnd Händchen. Schnitte, Rückblenden. Hedonismus pur. Dann gewinnt Alex. Das Paar erstrahlt im Glück. Und man selbst ist nur noch traurig, hat die Antwort auf seine anfangs gestellte Frage gefunden. Es ist die Erniedrigung. Ein grausames Format!

Was folgt, ist eine Stunde Talk. Viele Männer, viel Streit, Nadine. Und: Moderatorin Frauke Ludowig. Ha! Ausgleichende Gerechtigkeit.

Hier gibt es alle Folgen zum Nachschauen.

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