Bavaria: Serien statt "Gottschalk Live"

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Geht es nach "Bavaria Film" sollte im Vorabendprogramm nicht "Gottschalk Live", sondern andere Formate laufen.

Berlin - Matthias Esche (60), Geschäftsführer der Produktionsgesellschaft Bavaria Film, schlägt der ARD Alternativen zur quotenschwachen Vorabendshow “Gottschalk Live“ (immer um 19.20 Uhr) vor.

Esche verfolgt damit eigene Interessen, denn seine Firma verlor erst kürzlich den Klassiker “Marienhof“ am ARD-Vorabend. Für den Sendeplatz um 18.50 Uhr, der bei der ARD unter dem Motto “Heiter bis tödlich“ läuft, bereitet die in München ansässige Bavaria derzeit zwei neue Serien vor.

“Die Freunde fiktionaler Unterhaltung sind der Auffassung, dass die ARD in Bereichen, die durch Werbung finanziert werden, Programme einsetzen sollte, die wiederholungsfähig sind“, sagte Esche, seit 2006 im Amt, der Nachrichtenagentur dpa. Wiederholungsfähig sind auch seiner Sicht allerdings Serien eher als Talks. “Die ARD wäre also nicht schlecht beraten, fiktionale Programme dort einzusetzen, zumal sie von einer klugen Steuerung der Verwertung profitieren könnte“, empfiehlt der Geschäftsführer.

Thomas Gottschalk -Seine Karrierestationen in Bildern

Ab 1971: Freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk ( BR), ab 1973 Sprecher der “Abendschau“-Nachrichten. © dpa
1976: Gottschalk wird beim BR Festangestellter und heiratet seine Thea. Erfolg mit witzigen Radiomoderationen bei “Pop nach acht“. © dpa
1977: Er moderiert die Sendung “Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit bei der ARD läuft. © dpa
1982: Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm “Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen. © dpa
Gottschalk wechselt zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort “Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow. © dpa
26. September 1987: Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung “Wetten, dass..?“ als Nachfolger von Frank Elstner. © dpa
1990: Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show. 1992/1993 pausiert er bei “Wetten, dass..?“ © dpa
1995 bis 1997: “Gottschalks Hausparty“ bei Sat.1. © dpa
1999: Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma dolce media GmbH in München © dpa
2004: “ Thomas Gottschalk. Die Biografie“ von Gert Heidenreich erscheint © dpa
September 2009: Mit Michelle Hunziker hat Gottschalk erstmals eine Co-Moderatorin bei “Wetten, dass..?“. © dpa
4. Dezember 2010: Der Kandidat Samuel Koch verunglückt bei einer Wette schwer und bleibt gelähmt. © dpa
12. Februar 2011: Gottschalk kündigt seinen Rücktritt nach Ablauf der Staffel im Sommer an. © dpa
30. April 2011: Gottschalk moderiert seine letzte reguläre “Wetten, dass..?“-Sendung. © dpa
18. Juni 2011: Gottschalk moderiert die Sommer-Ausgabe von “Wetten, dass..?“ auf Mallorca. © dpa
15. Juli 2011: Die ARD teilt mit, dass Gottschalk ab Januar 2012 viermal die Woche (Montag bis Donnerstag) vor der “Tagesschau“ eine tagesaktuelle halbstündige Live-Show mit Gesprächsgästen moderiert. Später wird bekannt: Die Show heißt “Gottschalk live“ und startet am 23. Januar. © dpa
8. Oktober, 5. November und 3. Dezember 2011: Die Termine der letzten drei “Wetten, dass..?“-Ausgaben mit Gottschalk - es soll sich um “Shows mit Erinnerungscharakter“ handeln. © dpa

Derweil bereitet die Bavaria Film GmbH neue Produktionen für den ARD-Vorabend und den Sendeplatz um 18.50 Uhr vor. “Ich akzeptiere die ARD-Entscheidung, den Vorabend neu zu gestalten“, sagte Esche über den “Marienhof“-Verlust. Die ARD ist über ihre Landesrundfunkanstalten zu großen Teilen an der GmbH beteiligt: Die WDR Mediagroup GmbH in Köln hält 33,35 Prozent, die SWR Holding GmbH in Stuttgart 16,67 Prozent.

“Die Bavaria hat vier neue Serien in der Vorbereitung, eine entfällt im Stil der “Rosenheim Cops“ auf das ZDF, der Arbeitstitel lautet “Garmisch Cops“, eine weitere auf RTL und zwei auf die dritte Runde des neuen ARD-Vorabends. Die Serien heißen “Betrug macht klug“ und “Hund und Katze“ - sie sollen von den Bavaria-Töchtern Askania Media und Saxonia Media produziert werden - aber die finale Entscheidung steht noch aus“, sagte Esche.

Die Schieflage der ARD-Filmeinkaufsorganisation Degeto, die über Jahre mehr Filme, als der Etat es erlaubte, produziert hat, will Esche nicht überbewertet wissen. “Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einer vorübergehenden Auftragsverkürzung - das ist die Degeto-Delle“, sagte der gebürtige Lübecker. “Die Degeto aber sehe ich nicht als Hauptproblem. Bei den Sendern findet eine Priorisierung statt. Die Mittel werden immer knapper. Ein Beispiel: Der Mitteldeutsche Rundfunk gibt bei uns nur noch vier statt früher sechs Filme aus den Reihen “Polizeiruf 110“ und “Tatort“ in Auftrag. Das ist der Ausdruck eines Sparwillens, der aber nichts mit der Qualität der gelieferten Programme zu tun hat.“

Insgesamt befinde sich die Bavaria auf gesundem Boden. “Wir haben im Geschäftsjahr 2011 rund 230 bis 250 Millionen Euro umgesetzt“, sagte Esche. “Alle vier Geschäftsbereiche schreiben ein Plus: die Produktion, Rechte und Lizenzen, Dienstleistungen sowie Homevideo.“ Fürs Kino seien fünf bis sechs neue Filme geplant. “Fürs Fernsehen wollen wir übrigens einen fiktionalen Dreiteiler über den Ersten Weltkrieg mit Urs Egger produzieren. Und auf meiner persönlichen Wunschliste steht für die Zukunft auch die Geschichte von Feldherr Wallenstein, die ich für höchst aktuell halte, ganz oben.“

dpa

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