Ein vorauseilender Nachruf

Spoiler! „The Walking Dead“ am Wendepunkt: Stirbt nun ein Auftakt-Charakter?

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Carl Grimes mit seinem Vater Rick, seiner Ziehmutter Michonne (r.) und der mittlerweile gestorbenen Mitstreiterin Sasha.

Es ist Pause bei "The Walking Dead" - und alle Fans fragen sich: Stirbt ein Auftakt-Charakter im Mid-Season-Finale der achten Staffel? Vorsicht, Spoiler!

Das soll es also jetzt gewesen sein mit unserem kleinen großen Lieblingshutträger mit Wallemähne? Wie am Ende des Halbstaffelfinales von „The Walking Dead“ enthüllt wurde, ist Carl Grimes bereits in der vorherigen Folge gebissen worden, als er und sein neuer Kumpane Siddiq auf ein paar Untote trafen, die gerade ein Reh verspeisten.

Leider hat Carl diese Situation etwas unterschätzt. Wenigstens waren Zombies endlich mal wieder so etwas wie eine echte Bedrohung. Und da ist er jetzt, der Biss. Und genau wie sein alter Herr Rick sitzt auch die TWD-Fangemeinde derzeit vor Schockstarre und Ungläubigkeit da und versucht zu begreifen. Darum also jetzt: Ein vorauseilender Nachruf auf einen, der sich seit der ersten Staffel der Serie zu einem echten Zombie-Slayer entwickelt hatte.

„COORAALL“ wird von uns gehen. Carl Grimes war einer der wenigen Charaktere, die von Anfang an in der Serie mit dabei waren. Jetzt sind davon nur noch Armbrust- und Motorradfan Daryl, die ehemalige Hausfrau und Witwe Carol und Carls Vater Rick übrig. Wir alle haben noch die herzergreifende Szene in Erinnerung, als Carl und seine Mutter Lori mit Rick in Atlanta wieder vereint wurden (nun ja - zumindest bei Papa und Sohn war es herzergreifend. Lori, wir haben unseren Hass auf dich nicht vergessen!). 

Ein Kind in der Apokalypse

Carl war vor allem deshalb so interessant, weil er als Kind in der Zombie-Apokalypse aufgewachsen ist. Er hatte öfters seinen eigenen Kopf, hörte ungern auf seine Mutter und auch seine Beziehung zu seinem Vater hatte gelegentlich manche Dellen. Ein einschneidendes traumatisches Erlebnis war es, als er seine eigene Mutter töten musste, nachdem sie per überblutigem Kaiserschnitt Carls Halbschwester Judith zur Welt brachte. Bevor sie sich nach Verbluten in einen Zombie verwandeln konnte, verpasste er ihr einen Kopfschuss. Eine schockierende Tat, die Carl sehr geprägt hat. 

Vater und Sohn vereint.

Das Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Rick und Carl wurde nach Loris Tod immer enger, gemeinsam zogen sie Judith auf, die eigentlich von Ricks ehemaligen Kumpel Shane ist. Carl war neben dem kleinen Mädchen das einzige, was Rick noch von seiner Familie geblieben ist. 

Zudem spielte Carl eine nicht unwichtige Rolle in der Beziehung von Rick und Michonne. Die toughe Kampfamazone und Einzelkämpferin blühte in der Gruppe immer mehr auf und wurde schließlich zu Carls Ersatzmutter. Somit näherten sich auch Rick und Michonne an. 

Carl Grimes ist im Laufe der Geschichte zu einem kleinen „Badass“ herangewachsen - in der 100. Folge der Serie trat er sowohl optisch als auch seinen Taten nach in die Fußstapfen seines Vaters:

Der Heranwachsende wurde gleich zweimal angeschossen, sprang dem Tod von der Schippe und verlor sogar ein Auge. Gerade im Verlauf der Negan-Story zeigte er, was eigentlich in dem Sohn von Rick Grimes steckt. Er machte sich allein auf zu den Saviors, um Negan zu töten. Der Bösewicht mit Baseballschläger, Dauergrinsen und Dauermonologen aber fand schnell Gefallen an dem „zukünftigen Serienkiller“, wie er ihn bei der berühmt-berüchtigten Kopf-Einschlag-Szene am Ende der 6. Staffel nannte. Doch so sehr Carl auch „Badass“ war, so sehr zeigte er auch seine kindliche verletzliche Seite, als er in Gegenwart von Negan in Tränen ausbrach. 

Viel Screentime: Ein schlechtes Zeichen

Carl Grimes hatte leider in der achten Staffel wenig bis gar nichts zu tun. Sein Tod wurde zudem im Halbstaffelfinale mit dem Holzhammer angedeutet, denn plötzlich hatte er Screentime. Viel Screentime. Und einen bedeutungsschwangeren Dialog mit Rick. Geübte TWD-Fans wissen, was das in 90 Prozent der Fälle bedeutet: Mach dein Testament.

Negans Baseballschläger vor Augen: Carl blickte dem Tod oft in die Augen.

Es ist schon bittersüß, dass er bereit war, sich für die Gruppe zu opfern, als Negan mit seiner Gang mal wieder vor den Toren von Alexandria aufgekreuzt ist – genau in dem Wissen, dass er durch den Biss ohnehin dem Tode geweiht war. 

Wir trauern mit Rick (kann er denn nicht endlich mal eine Pause von Leid und Trauma bekommen!?) und Michonne, die schon einmal einen Sohn verloren hat. Wir trauern aber auch und vor allem um das nicht ausgeschöpfte Potenzial von Carl. Wie sehr viel bedeutsamer und ergreifender wäre sein Tod, wenn Carl selbst zuvor mehr Bedeutung bekommen hätte? Wenn er zum Beispiel eine süße, innige Teeny-Romanze mit Enid angefangen hätte? Immerhin haben sich die beiden schon verstohlen geküsst. Leider wurde daraus nichts gemacht. 

Die Serie bleibt viel schuldig

Wie gesagt ist Carl besonders interessant, weil er als Kind in die Zombie-Apokalypse geschmissen wurde und mittlerweile zum Teenager herangewachsen ist. Wie prägt die neue Welt die junge pubertierende Generation? Können die Jungs und Mädels vielleicht trotzdem so etwas wie die erste aufregende Liebe erfahren? Die Serie bleibt uns eine solche Situation leider schuldig. Stattdessen wird eine Ballerei an die andere gereiht. 

Durch dick und Zombie-Masse: Rick und Carl.

Die TWD-Fangemeinde schwankt zwischen Trauer, Ungläubigkeit und jeder Menge Wut. Denn die Entscheidung von Showrunner Scott Gimple ist kaum nachzuvollziehen. Carl nimmt in der Comic-Vorlage noch eine immens wichtige Rolle ein. Er ist zudem wichtig für viele Charaktere. Rick natürlich, Michonne, seine kleine Halbschwester Judith. Überhaupt die ganze Clique um Rick, Maggie und Carol, die sich schon so lange kennen. Für Rick wird dies ein herber traumatischer Einschlag sein, der größte seit langer Zeit. Wie wird es ihn verändern?

Zu Beginn der Staffel haben wir zwei Visionen gesehen: eine, in der Rick mit Michonne, Carl und Judith glücklich lebt, sowie eine, in der Rick verstört und mit roten Augen durch die Gegend läuft. Es dürfte wohl klar sein, welche dieser Zukunftsvisionen nicht mehr Realität werden wird. 

Ein neues Dumpstergate?

Aber vielleicht, ja, vielleicht ist Carl ja immun? Oder er hat sich doch unter dem Müllcontainer verkrochen? Erinnerungen an Dumpstergate mit Glenn werden wach und ja: Carl ist noch nicht tot. Sein drohendes Ableben wurde nur als Cliffhanger eines Halbstaffelfinales genutzt, um einen schockierenden Moment zu schaffen, über den alle sprechen. Das wurde auch vorher so von den Machern angekündigt.

Carl Grimes wird gespielt vom heute 18 Jahre alten Chandler Riggs. Beide sind quasi gemeinsam erwachsen geworden.

Wird es der Serie, die seit geraumer von einem Quotentief ins nächste stürzt, nützen? Zweifelhaft. Wird es ihr schaden? Wohl eher. Denn viele Fans verbindet schon seit der siebten Staffel nunmehr nur noch eine Hassliebe mit der Serie. Die ermüdende „All Out War“-Storyline rund um Negan und die Saviors, das abgrundtief dumme Verhalten vieler Charaktere, die Story, die sich immer wieder im Kreis dreht... vieles strapaziert arg die Nerven. Da wirken solche Entscheidungen wie die mit Carl wie ein verzweifelter Versuch, mal wieder etwas Pfeffer in eine fade Mahlzeit zu bringen. Ob das wirkt, darf bezweifelt werden.

Carls Tod - ein Sargnagel für die Serie

Der Tod von Carl wäre eigentlich der bislang größte Sargnagel für die Serie „The Walking Dead“. Carl wird sehr vermisst werden. Aber wenigstens würde er bald Carols tote Tochter Sophia bei einer großen Dose Schokopudding erzählen können, was für ein „Badass“ ihre Mama geworden ist. 

RIP Carl Grimes! Aber bitte lass doch den schicken Sheriff-Hut zurück...

Ob auch Scott Wilson den Serientod in der neunten Staffel sterben wird? Denn der Schauspieler, der den Farmer Hershley spielte, starb mit 76 Jahren an Leukämie. 

Von Britta Buntemeyer für kreiszeitung.de

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