Matthias Kammermeier:

„Catterfeld hat mich überrascht“

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Yvonne Catterfeld spielt in dem Film eine Vulkanexpertin.

Im zweiten Teil spricht Matthias Kammermeier über die Gratwanderung zwischen Anspruch und Budget, Yvonne Catterfeld und seine Probleme mit dem Filmgeschäft.

Hier kommen Sie zurück zum ersten Teil.

Ist es schwierig als Künstler dem eigenen Anspruch, aber auch dem vorhandenen Budget gerecht zu werden?

Tonnen von Asche regnen im Film vom Himmel herab.

Kammermeier: Ein Film wie „Vulkan“ ist immer ein Kompromiss. Eigentlich wäre so ein Film für das Geld, das zur Verfügung stand, nicht mal annähernd möglich. Ich gehe jede Wette ein, wenn ich das einen Kollegen kalkulieren ließe, kommt der mindestens auf das Doppelte meines Budgets. Wir haben in Zusammenarbeit mit Regie und Kamera so auf Kante gestrickt und genäht, dass einen halben Meter nach links und einen Meter nach rechts Schluss war. Zudem kommen immer wieder nicht eingeonsszene plante Herausforderungen hinzu. Einen Katastrophenschauplatz mussten wir zum Beispiel innerhalb von zwei Wochen zweimal komplett mit Lavastaub einpudern. Sobald es nur einmal Morgentau gab, war der Staub wieder weg.

TV-Event: Vulkan-Ausbruch in der Eifel

Der Vulkan ist die teuerste und größte RTL-Produktion aller Zeiten. © RTL
Der TV-Zweiteiler, eine Co-Produktion mit der Firma Teamworx hat über neun Millionen Euro gekostet. © RTL
Der Film beschäftigt sich mit der Frage: Ist Deutschland für einen Vulkanausbruch gewappnet? © RTL
Das Chaos richtig in Szene gesetzt hat der Szenenbildner Matthias Kammermeier (rechts) aus Tandern. © RTL
Bei dem Katastrophenfilm über einen Vulkanausbruch in der Eifel bietet RTL Starbesetzung. Yvonne Catterfeld spielt die Wissenschaftlerin Daniela Eisenach. © RTL
Matthias Koeberlin - hier mit Heiner Lauterbach - spielt den Ex-Feuerwehrmann Michael Gernau. © RTL
Im Film trennt er sich von seiner Freundin Andrea (gespielt von Katharina Wackernagel), um sie vor der Katastrophe zu bewahren. © RTL
Heiner Lauterbach spielt den Bankdirektor Gerhard Maug, der durch die Katastrophe wieder zu seiner Familie findet. Er hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt. © RTL
Armin Rohde (links im Bild) spielt Walter Röhricht, einen städtischen Vollzugsbeamten, der vor der Katastrophe von Jugendlichen aus der Stadt drangsaliert wird. Nach dem Vulkanausbruch verliert er die Kontrolle über sich. © RTL
Pasquale Aleardi spielt Phil Friedrichs, einen erfolgreichen Geschäftsmann. Wegen seinem Beruf hat er die Bindung zu seiner Familie verloren. Er kämpft sich in das Katastrophengebiet vor, um seine Frau und seine beiden Zwillinge zu retten. © RTL
Yvonne (Jenny Elvers-Elbertzhagen) hat ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Mitarbeiter Phil. Im Film spielt Elvers-Elbertzhagen eine toughe Frankfurter Geschäftsfrau. © RTL
Die junge Sonja Gerhardt spielt Paula Maug, die alles versucht, um in die Dorfclique aufgenommen zu werden. Das Verhältnis zu ihrem Vater (Heiner Lauterbach) ist angeschlagen. © RTL
Ursula Karven spielt Renate Maug, die durch die Katastrophe ihre innere Stärke wiederfindet. © RTL
Kirsten Friedrichs (gespielt von Katja Riemann) trifft im Film ihre Jugendliebe wieder und gibt dafür ihre Familie auf. © RTL
Lavawellen, Asche-Regen oder eine ganze Kleinstadt, die in Schutt und Asche gelegt wird - bei den Special Effects hat RTL nicht gespart. © RTL
Bei der Umsetzung der Katastrophe waren die 9/11 Bilder ständiger Begleiter des Filmteams. © RTL
Mit über 70 Schauplätzen hat Matthias Kammermeier den Film in Szene gesetzt. „Es war mein größtes Projekt“, so der 51-jährige Szenenbildner stolz. © RTL
Ein weggefegter Konvoi in einer Endzeitlandschaft - im Zweiteiler sieht der Zuschauer Schauplätze, die er sich nicht in seinen schlimmsten Vorstellungen ausmalen würde. © RTL
Der Film ist am Sonntag und Montag, 18. und 19. Oktober, ab 20.15 Uhr auf RTL zu sehen. © RTL
Im ersten Teil wird das Leben in einer Kleinstadt gezeigt, die .... © RTL
... im zweiten Teil in Schutt und Asche liegt. © RTL
Die Bewohner der Stadt werden von den Rettungskräften aufgegeben. Für sie gibt es keine Rettung mehr. © RTL
Ein Expertenteam kümmert sich um die Evakuierung der Menschen, die in den Randgebieten der Katastrophe leben. © RTL
Währenddessen suchen die Menschen im Eifelgebiet nach einem Ausweg aus der Katastrophe. © RTL
Der Film wirft die Frage auf, ob ein Vulkanausbruch in Deutschland möglich wäre. © RTL
Der letzte Vulkanausbruch in der Eifel liegt zwar lange zurück. Er fand vor 13.000 Jahren am Laacher See statt. © RTL
Ein erneuter Ausbruch ist aber gar nicht so unwahrscheinlich. © RTL
Die Frage ist nur, wann er ausbricht. © RTL
Für den Film arbeitete die Produktionsfirma mit Wissenschaftlern und Universitäten zusammen. © RTL
Alle Dialoge sind wissenschaftlich abgesegnet. © RTL
Yvonne Catterfeld stand während der Dreharbeiten ständig ein Vulkanologe zur Seite. Die Schauspielerin hat sich für ihre Rolle intensiv mit Vulkanen und Vulkanismus auseinandergesetzt. © RTL

Nehmen Sie sich bei Ihrer Arbeit reale Katastrophen zum Vorbild?

Der Film hat eine Starbesetzung.

Kammermeier: Das Schlimmste wäre, etwas darzustellen, das an der Realität völlig vorbei geht. Als Vorlage haben wir uns deshalb Fotos vom 11. September angeschaut. Die Bilder von den Gesichtern der Menschen am Tag der Katastrophe hatten wir bei der Produktion als ständigen Begleiter dabei. Zudem hatten wir uns im Vorfeld natürlich über etliche andere Vulkanausbrüche informiert. Alles, was im Film zu sehen ist, ist wissenschaftlich genau recherchiert worden. Auch alle Dialoge, die Schauspielerin Yvonne Catterfeld (spielt im Film eine Vulkanexpertin, Anm. d. Red.) spricht, sind wissenschaftlich abgesegnet. Es ist zum Beispiel tatsächlich so, dass in der Region, in der der Film spielt, ein größerer Vulkanausbruch zu erwarten ist. In den nächsten hundert- oder zehntausend Jahren, aber es kann natürlich auch morgen sein.

Unter den Schauspielern befindet sich alles, was im Deutschen Fernsehfilm Rang und Namen hat. Gab es aus Ihrer Sicht Überraschungen?

Ja, Yvonne Catterfeld. Ich fande, sie hat ihre Rolle wirklich glaubhaft rübergebracht. Yvonne Catterfeld als Vulkanexpertin habe ich mir erst nicht vorstellen können.

Für das Szenenbild des Films „Tarragona“ haben Sie den deutschen Fernsehpreis gewonnen. Ist das eine sehr große Hürde, um an den nächsten Film heranzugehen?

Kammermeier: Egal welches Projekt ich verfolge, ich habe immer den höchsten Anspruch.

„Produktionsfirma echt unterstes Niveau“

Ein kompletter Film läuft durch ihre Hand – die Öffentlichkeit bekommt davon aber wenig mit. Würden Sie nicht auch einmal gerne vor der Kamera stehen?

Im Film bricht in der Eifel ein Vulkan aus und begräbt eine Kleinstadt unter sich.

Kammermeier: Das nicht, aber ich muss ehrlich sagen, die Pressemappe zu diesem Film hat mich total geärgert. Nur weil der Produzent beleidigt war, dass ich seiner Meinung nach zu viel Geld ausgegeben habe, kommt als Ergebnis eine Mappe heraus, in der Regie, Drehbuch, Kamera, Produzenten, Redaktion und Darsteller erwähnt werden. Punkt. Da frage ich mich schon, warum darin nur die Kamera berücksichtigt wird. Die kann nur das abfilmen, was ich ihr hinstelle. Es ist schon ärgerlich, wenn es soweit kommt, dass das Szenenbild dort komplett unter den Tisch fällt. Die Wertschätzung dessen, was man geleistet hat, sollte eigentlich dem Endprodukt angemessen sein. Dabei bin ich eigentlich jemand, der gerne im Hintergrund arbeitet, aber so was ist von Seiten der Produktionsfirma echt unterstes Niveau. Darunter leide aber nicht nur ich, sondern eine ganze Branche.

 Das Gespräch führte Christoph Seidl

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