"Der Rücktritt"

Film-Premiere: Wulff Opfer einer Medienkampagne?

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Kai Wiesinger spielt den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff.

Berlin - Christian Wulffs Rücktritt hat im Februar 2012 die Republik erschüttert. Jetzt kommt die Affäre als Doku-Drama ins Fernsehen. Mit vielen Blicken hinter die Kulissen.

Zwei Jahre nach dem Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten kommt die Affäre als Doku-Drama ins Fernsehen. Am Montagabend war „Der Rücktritt“ im Berliner Kino International erstmals öffentlich auf der Leinwand zu sehen. Das Premierenpublikum reagierte mit großem Beifall. Am 25. Februar zeigt Sat.1 den Film um 20.15 Uhr.

Kai Wiesinger und Anja Kling sind Christian und Bettina Wulff. Es geht um die letzten 68 Tage der beiden als Präsident und First Lady. Er wolle Wulffs Verhalten nicht bewerten, sagt Wiesinger, der den gescheiterten Bundespräsidenten als Getriebenen darstellt: passiv, ratlos, überfordert.

Den Startschuss gibt der Bericht über Wulffs Hauskredit von der Unternehmergattin Edith Geerkens. Die „Bild“ hat es herausgefunden, und weitgehend folgt der Film dem Buch der „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch.

Produzent Nico Hofmann würdigte vor dem Premierenpublikum deren Recherche: „Ohne diese Faktengenauigkeit wäre der Film nicht möglich gewesen“, sagte er. Sat.1-Fiction-Chef Jochen Ketschau erinnerte daran, dass ARD und ZDF das Projekt nicht haben wollten. „Ich danke den Öffentlich-Rechtlichen.“

"Für jede Szene gibt es einen Zeugen"

Immer wieder wechseln Dokumentar-Szenen und Spielsequenzen ab. Regisseur Thomas Schadt nannte den Wulff-Film ein „Eingeschlossenen-Drama“. Er wollte erzählen, was damals in den entscheidenden Tagen im Schloss Bellevue passiert ist. „Für jede Szene gibt es jemanden, der bezeugen kann, dass es etwa so abgelaufen ist“, sagte er einmal.

Der Rücktritt Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten hat - vor genau zwei Jahren am 17. Februar 2012 - die Republik erschüttert, Fragen aufgeworfen, die längst nicht beantwortet sind, von denen manche immer noch die Gerichte beschäftigen. War Wulff Opfer einer Medienkampagne, oder doch eher Täter, weil er viele Fehler gemacht und deren Tragweite massiv unterschätzt hat? „Der Rücktritt“ mischt Realität und Fiktion: So gelingt ein Blick hinter die Kulissen. So könnte es gewesen sein.

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

Christian Wulff wird am 19. Juni 1959 im niedersächsischen Osnabrück als zweites Kind von Rudolf und Dagmar Wulff geboren. Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium legt er das Abitur ab. Christian Wulff engagiert sich früh als Schülersprecher, Studentenvertreter und in den Jugendverbänden Schüler Union und Junge Union. © dpa
Von 1980 bis 1986 studiert Christian Wulff Rechtswissenschaften mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Osnabrück. 1987 leistet er sein Referendarexamen in Hannover, danach sein Referendariat am Oberlandesgericht Oldenburg und legt 1990 sein Assessorenexamen in Hannover ab. 1990 tritt Christian Wulff in eine Rechtsanwaltskanzlei ein. © dpa
1986 wird Wulff für die CDU Mitglied im Rat der Stadt Osnabrück, von 1989 bis 1994 ist er deren Fraktionsvorsitzender. Er bleibt Ratsmitglied bis 2001. © dapd
1988 heiratet Wulff Christiane Vogt. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter, Annalena. Nach 18 Ehejahren trennen sich die beiden. © dpa
1994 wird Wulff in den niedersächsischen Landtag gewählt. Im März des Jahres übernimmt er das Amt des Fraktionsvorsitzenden, im Juni den Posten des Landesvorsitzenden seiner Partei in Niedersachsen. 1998 wird Christian Wulff zu einem der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. © dapd
1994 und 1998 tritt Wulff als CDU-Fraktionsvorsitzender in Niedersachsen bei den Landtagswahlen gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder an und verliert beide Male gegen den späteren SPD-Kanzler. © dapd
Bei der Landtagswahl 2003 feiert Wulff dann einen großen Erfolg gegen den Schröder-Nachfolger Sigmar Gabriel - er wird niedersächsischer Ministerpräsident. © dpa
Fünf Jahre später wird Wulff in seinem Amt des Ministerpräsidenten bestätigt. © dpa
2008, zwei Jahre nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau heiratet Wulff Bettina Körner. Sie bringt einen Sohn mit in die Ehe, Leander. 2008 wird der gemeinsame Sohn Linus Florian geboren. © dpa
Am 30. Juni 2010 setzt sich Wulff in der Wahl der Bundesversammlung gegen den Gegenkandidaten Joachim Gauck im dritten Wahlgang durch und wird zum zehnten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Auf eigenen Wunsch ruht seine Mitgliedschaft in der CDU seit diesem Tag. © dpa
2011 wird Christian Wulff durch den Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr bekommt er die Ehrenmedaille des Deutschen Olympischen Sportbundes verliehen. © dapd
Am 13. Dezember 2011 berichtet die Bild-Zeitung von einem Privatkredit Wulffs, den er von einem befreundeten Geschäftsmann bzw. dessen Frau erhalten haben soll. © dapd
Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags zu diesem Vorgang beantwortete Wulff 2010, er streitet jedoch Geschäftsbeziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens ab. Später erklärt der Bundespräsident, er bedauere es, dass durch seine Aussagen zu dem Privatkredit ein falscher Eindruck entstanden sei. © dapd
Am 22. Dezember bittet Wulffs Pressesprecher Olaf Glaeseker (r.) um seine Entlassung. Die Hintergründe dieses Vorgangs bleiben im Dunkeln. © dpa
Anfang Januar 2012 tauchen Medienberichte auf, wonach Wulff den Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann telefonisch bedroht haben soll, den Artikel über die Kreditaffäre zurückzuziehen. © dpa
Knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt als Bundespräsident, haben sich Christian Wulff und seine Frau Bettina getrennt. © dpa

Etwa der Anruf Wulffs auf die Mailbox von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann (Hans-Jochen Wagner). Wulff bittet um Aufschub der Berichterstattung und droht: Es werde Krieg geben. Klar, wenn es den einen großen Fehler gegeben hat, dann war es dieser Anruf. Produzent Hofmann hat diesmal, im Gegensatz zu seinem Von-und-zu-Guttenberg-Stück „Der Minister“ keine Satire abgeliefert, sondern eben ein Doku-Drama. Zu Lachen gibt es da nicht viel, zum Nachdenken schon.

dpa

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