"Meine neue Show ist richtig fett"

Komiker Bülent Ceylan: "Meine Mutter ist wie Merkel eine geborene Raute"

+
Los geht’s: Bülent Ceylan moderiert auf Sat.1 die neue Spielshow „Game of Games“.

Bülent Ceylan gilt als lustigster Deutschtürke im TV. In seiner neuen Sat.1-Show "Game of Games" müssen Kandidaten verrückte Dinge machen. Vorab erklärt er, was seine Mutter mit der Kanzlerin zu tun hat. 

Er ist der „Supertürk“: Bülent Ceylan kennt man als Comedian aus dem Fernsehen („Die Bülent Ceylan Show“, RTL), aus dem Kino („Verpiss dich, Schneewittchen“) und von der Bühne („Lassmalache“). Jetzt wechselt er das Fach und den Sender, wird zum Showmaster. „Game of Games“, im amerikanischen Original von Ellen DeGeneres moderiert, soll nicht nur eine komische Spielshow sein, bei der sich die Kandidaten verrückten Herausforderungen stellen, so Ceylan im Interview.

Herr Ceylan, Sie moderieren eine Spielshow. Wie gut können Sie verlieren?

Bülent Ceylan: Ich habe als Kind gar nicht gerne verloren, mein Vater hat mich damit aufgezogen. Ich war total ehrgeizig. Das Schöne ist, dass ich jetzt der Moderator bin. Ich fiebere mit den Kandidaten mit.

Für die Kandidaten geht es um viel Geld.

Ceylan: Stimmt, im Finale winken 50 000 Euro. Jeder will sie haben, deshalb sind auch alle ehrgeizig. Aber vor allem sind auch die Spiele so witzig.

Es gibt viele Spielshows, warum sollte man „Game of Games“ einschalten?

Ceylan: Ich war anfangs auch kritisch gegenüber Spielshows, eben weil es so viele gibt. Seit 20 Jahren mache ich Comedy, aber Fernsehen mache ich nur, wenn ich das Format auch wirklich will und dahinterstehe. Es ist ja so, dass ich ein Livekünstler bin. Fernsehen ist natürlich auch wichtig, aber ich bin nicht unbedingt davon abhängig. Als ich gesehen habe, wie aufwendig und lustig die Show ist, war ich überzeugt. Sie ist richtig fett.

Was genau ist eine richtig fette Show?

Ceylan: Die Kandidaten sind ganz normale Leute. Kein Stuntman, keine Promis. Fett sind die Spiele. Zum Beispiel Master Blaster, dabei muss man schnell puzzeln. Klingt einfach, oder? Klar, einer gewinnt. Doch was passiert mit den Verlierern? Die Kandidaten hängen an Seilen und wer verliert, wird über das Publikum hinweg geschossen. Oder man landet mal – fupp – im Matsch. Es ist eine sehr teure Produktion, weil die Spiele technisch so aufwendig sind. Das ist Entertainment vom Feinsten und man lacht sich bei jedem Spiel kaputt.

Konnten Sie mal vor Lachen nicht mehr moderieren?

Ceylan: Das ist mir wirklich passiert. Beim Spiel Schleudergang werden die Kandidaten schnell gedreht und müssen dann aufstehen und gehen. Einer kam einfach nicht vorwärts, so ein Zwei-Meter-Schrank - irgendwann brauchte er einen Eimer. Natürlich ist Schadenfreude dabei. Aber die Kandidaten wissen, worauf sie sich einlassen, werden auch nicht dumm dargestellt. Am Ende sind alle Sympathen. Man sieht nichts Ekliges.

Ist es ein Vorteil, wenn der Showmaster ein Comedian ist?

Ceylan: Ich denke schon, ich darf zu Kandidaten sagen: „Halt die Gosch. Antwort!“ Im Monnemer Dialekt ist das witzig. Ein Moderator würde nicht sagen: „Halt den Mund!“ Das wäre respektlos.

Dann sind Comedians die besseren Showmaster?

Ceylan: Sie sind anders. Ich glaube, Sat.1 hat eine Strategie. Sie haben erkannt, der oder der Comedian kann mehr. Es sind ja einige gewechselt. Ich kann gut mit Leuten, gut improvisieren und lasse die Menschen nah an mich ran. Es springen Kandidaten auf mich, freuen sich wie verrückt. Bülent will das.

Spielen Ihre Bühnenfiguren Hasan, Mompfred und Anneliese bei „Game of Games“ mit?

Ceylan:Manchmal sind sie dabei. Es ist ein internationales Format und doch meine Show – das ist die Krönung. Natürlich moderiere ich als Bülent, aber Hasan kommt mal dazu.

Zuletzt waren Sie mehr auf der Bühne als vor der Kamera.

Ceylan: Stimmt. Es gab einfach nichts Richtiges. Ich habe RTL viel zu verdanken, aber wir haben uns auseinandergelebt. Das ist wie in einer Beziehung, wenn ein Sender kommt und sagt: Wir haben Angebote für dich und wollen keinen One-Night-Stand, sondern eine langfristige Beziehung, dann ist das mein Ding. Ich mag keine kurzfristigen Sachen. Natürlich hoffen wir auf gute Quoten. Aber für diese Show muss ich mich nicht schämen.

Sie sind auch politisch und gelten als Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan.

Ceylan: Es ist mir wichtig zu sagen, wo ich stehe. Ich habe ein großes Publikum und mache Witze über Erdogan, aber auch über Angela Merkel. Sie würde zu mir wahrscheinlich sagen, „du schaffst mich“ statt „wir schaffen das“.

Ihre Mutter ist eine geborene Merkel.

Ceylan: Stimmt. Ich sage: Sie ist eine geborene Raute.

Bei welcher Show würden Sie abschalten?

Ceylan: Bei manchem, was tagsüber läuft, wo Leute so tun, als seien sie Schauspieler. Es gibt auch Leute, die bei mir abschalten. Ich bin da eher so drauf: Helene Fischer ist total nett. Ich muss ihre Musik nicht mögen, aber ich habe Respekt vor ihrer Leistung. Nur drauf und Hass – gegen diese Tendenz kämpfe ich an.

Zur Person

Bülent Ceylan (42) wurde als Sohn eines Türken und einer Deutschen in Mannheim geboren. Nach dem Abitur absolvierte er Praktika beim Sender Viva und dem Radio RPR1. Sein Studium der Philosophie und Politikwissenschaft gab er zugunsten seiner Bühnenkarriere auf. Seit 1999 gehört der Metal-Fan zur Kölner Comedy-Schule und ist bundesweit mit seinen Programmen unterwegs. 2001 erhielt er bei RTL die „Bülent Ceylan Show“ und trat beim Wacken Open Air vor 80.000 Menschen auf. Im März kam sein Film „Verpiss dich, Schneewittchen“ in die Kinos. Unter anderem erhielt er den Deutschen Comedypreis. Ceylan, der nur selten über sein Privatleben spricht, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.