Heißer Oscar-Kandidat

"Dallas Buyers Club": Leben-Wollen statt Sterben

Berlin - Mit seinen Rollen in "Mud" oder "Killer Joe" hat sich Matthew McConaughey freigespielt vom Image des ewigen Schönlings. Das beweist er einmal mehr in "Dallas Buyers Club".

Für seine beeindruckende Darstellung des aidskranken Elektrikers und Rodeo-Reiters Ron Woodroof in seinem aktuellen Film „Dallas Buyers Club“ erhielt er einen Golden Globe. Die erste Oscar-Nominierung seiner Karriere hat er ebenfalls in der Tasche. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn er die Goldstatuette am 2. März nicht bekommen würde. Wer hungert oder futtert, um eine Rolle angemessen auszufüllen, hatte bei der Academy immer beste Chancen.

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Dabei brilliert in dem akkurat die Achtzigerjahre nacherzählenden „Dallas Buyers Club“ nicht nur McConaughey. „30 Seconds to Mars“-Sänger Jared Leto als Transsexueller und Verbündeter Woodroofs sowie Jennifer Garner in der eher undankbaren Rolle als betreuende Ärztin agieren ebenfalls superb. Besonders der ebenfalls Oscar-nominierte Leto als Transsexueller Rayon, der für den anfangs extrem homophoben Cowboy Ron die Verbindung zur Schwulenszene darstellt, verleiht seiner Figur eine tiefe Würde, auch mit Stöckelschuhen und schriller Perücke. In dieser wahren Geschichte und im ungeschönten Milieu des rassistischen Maulhelden Woodroof bildet er den ruhigen Gegenpol. Ron Woodroof ist ein unangenehmer Kerl, der auch angesichts des Todes nicht vom Saulus zum Paulus reift, sondern immer einen Spruch parat hat und zuerst einmal viel Geld verdienen will. Er schmuggelt Medikamente, die in den USA illegal sind und ihm das Leben einige Monate verlängern, fintenreich in die Vereinigten Staaten ein. Dort verkauft er sie an die HIV-infizierten Mitglieder des von ihm gegründeten „Dallas Buyers Club“.

Leben-Wollen statt Sterben

Verglichen mit Aids-Dramen wie „Philadelphia“ drückt Regisseur Jean-Marc Vallée betont wenig auf die Tränendrüse. „Dallas Buyers Club“ illustriert weniger das Sterben als vielmehr das Leben-Wollen. Das angenehm politisch inkorrekte Drehbuch von Craig Borten und Melisa Wallack hält sich ebenfalls mit Rührseligkeiten zurück.

von Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © Ascot Elite Filmverleih GmbH/dpa

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